Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 202
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-ss-4^> F. G. WALDMÜLLER UND J. DANHAUSER <^=^

FERD. GEORG WALDMULLER

FREIIN VON SPIN DLER

Nach einer notbedrängten Jugend, da er sich
dem Willen seiner Eltern entgegen der bildenden
Kunst zuwandte, kam er als Zeichenlehrernach
Agram, lernte daKatharinaWeidner,
die Sängerin am Stadttheater war, kennen und
lieben, heiratete sie und zog mit ihr während
vielerJahrealsDekorationsmaler ihrer wandernden
Truppe in wirren Kreuz- und Querfahrten
von einem Ort in den anderen durch alle Provinzen
Oesterreich-Ungarns. Nach verlorenen
sieben Jahren wieder in Wien, mußte Waldmüller
, der keinen Malunterricht genossen
hatte, außer den gelegentlichen Unterweisungen
in der Behandlung der Oelfarben, die
ihm ein geschickt dilettierender Schauspieler
gab, von neuem anfangen. Er begann zu
kopieren und wurde dadurch, wie er selbst eingestand
, ein „ziemlich gewandter Techniker",
aber der Geist, „der schöpferische Geist, der
eigentlich das Kunstwerk zu einem solchen
stempelt", hatte ihm, wie er klagte, noch nicht
gelächelt. Während einer Zeit bitterer Not
machte sich Waldmüller, um sich Gelderwerb
zu schaffen, daran, Porträts zu malen. Er gelangte
dadurch zum Naturstudium. An seinen
Porträts aus dieser zweiten Wiener Studienzeit
störten ihn, wie sie ihn bereits auf seinen
Kopien verdrossen hatten, die landschaftlichen
Hintergründe, die er von einem befreundeten
Landschafter hatte ausführen lassen, weil er
selbst „dieses Fach nicht auf akademischem
Wege studiert hatte". Er entschloß sich daher
die Hintergründe fortan selbst zu malen,
vorher aber dazu Studien nach der Natur zu
machen. „Jetzt war der Moment erschienen,"
schrieb er später, „in welchem der erste Strahl
jenes Lichtes vor mir aufdämmerte, in dessen
Glanz ich, leider erst so spät, die Wahrheit
erkennen sollte. Naturstudien!" Dieser Begriff
war ihm bis dahin fremd gewesen. Ein
Auftrag, den er zu eben dieser Zeit erhielt,
gab den letzten Ausschlag. Hauptmann Stierle-
Holzmeister erteilte Waldmüller den Auftrag,
die Mutter des Hauptmanns zu porträtieren
undzwar „genau so wiesie ist!". Waldmüllerbe-
mühte sich, diese Bedingung zu erfüllen, es gelang
, und dabei geschah es, daß ihm „die Binde
von den Augen fiel". Deutlich war ihm jetzt,

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