Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 205
(PDF, 162 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0262
F. G. WALDMÜLLER UND J. DANHAUSER <ö^~

Galerie der Akademie, noch auch der ihm 1835
verliehene Titel eines akademischen Rates,
konnten ihn dazu bestimmen, sich gewissen
Forderungen gefügig zu zeigen. Er blieb immer
Revolutionär. Seine 1846 verfaßte Schrift
„Das Bedürfnis eines zweckmäßigeren Unterrichtes
in der Malerei und plastischen Kunst"
trug ihm als Erfolg einen akademischen Strafprozeß
ein, dessen Wirkungen er jedoch durch
den Kanzler Metternich zu paralysieren wußte.
Unermüdlich predigte er begeistert die Rückkehr
zur Natur und als Beispiel führte er
sie in der für damalige Begriffe extremsten
Weise selbst durch. Es begann zu jener Zeit
die künstlerisch bedeutendste Periode seines
langen und an Arbeit reichen Lebens. Neben
vielen Landschafts- und Figurenbildern entstand
gleichsam mühelos, wie von selbst, die
imponierende Reihe der meisterlichsten Menschenbildnisse
, die Oesterreichs Kunst des
19.Jahrhunderts aufzuweisen hat. Es war ihm
allerdings nicht darum zu tun, die Seelen der
Menschen, deren Bildnisse er so überaus meisterlich
malte, auszulegen, zu interpretieren
oder zu analysieren, denn er wußte von dem
Phänomen der Unergründlichkeit der Oberfläche
und bescheidete sich dabei, die zarten
und oft kaum wahrnehmbaren Stigmatisationen
der Seele scharfsichtig in der körperlichen Form
aufzuspüren und ruhighändig aufzuzeichnen.
Sein bewunderungswürdiger Porträtstil ist der
künstlerisch kraftvoll geschlossene Ausdruck
seiner Stellung zu den Menschen, und seine
Stellung ist die einer subtil differenzierten Ironie
. Den Menschen malte er und nicht irgend
eine Vorstellung von ihm. Er stellte sich damit
neben die größten Porträtisten aller Zeiten.

Neben seinen meisterlichen Bildnissen sind
es vorzüglich seine Landschaften, denen besondere
Bedeutung nach unserem Sinne zukommt
. Als Landschafter hat er das Anrecht
auf die Wertung als eine Art von österreichischer
Parallelerscheinung zu dem großen englischen
Bahnbrecher Constable. Denn er verstand sich
auf die Beobachtung und Darstellung der Atmosphäre
zu einer Zeit, da andere Maler dergleichen
in der freien Natur noch gar nicht
sahen. Das Ungreifbare, Flimmernde fernen
Dunstes sog er gleichsam mit den Augen ein,
und er unterschied sehr fein des Dunstesgrößere
oder geringere Schwere. Diegraunebelbleichen,
klar regenblauen, abendlich violetten oder mittäglich
sonnenstaubigen Töne, von denen
seine landschaftlichen Hintergründe duftig umschwebt
sind, sind so durchaus von heute, so
modern, daß jedes andere gleichzeitig entstandene
Landschaftsbild eines anderen Malers daneben
veraltet, lichtlos und falsch koloriert aus-

FERD. GEORG WALDMULLER
FLORA (APOTHEKENSCHILD)

205


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0262