Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 215
(PDF, 162 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0272
-sr^> F. G. WALDMÜLLER UND J. DANHAUSER <^=^

wie es in einer alten Notiz heißt, unter verwandten
Geistern, schlürfte heimische Luft,
überbrückte auf tausend zwanglosen Anknüpfungspunkten
die Vergangenheitmit der Gegenwart
, sah, daß das Genre, wenngleich nicht
mit der tiefsinnigsten Poesieundin der größten
Manier, so doch auch eine Welt lebendig
machen kann; daß es neben dem Reichtum
seines oft winzigen Details die feinsten Aufgaben
der Psychologie gelöst hat — und daß
es, künstlerisch behandelt, eine Kunst ist.
Aus Holland heimgekehrt, rief er den versammelten
Freunden freudig zu: „Nun weiß
ich, was ich will und soll." Er hatte recht,
und die Arbeiten dieser letzten Phase seiner
künstlerischen Entwicklung sind es, die auch
dem verfeinerten Geschmack der künstlerisch
bis zur Perversität kultivierten Nachwelt standhalten
. Sein von jeher brillantes Kolorit, seine
eminente Zeichensicherheit gewannen eine
ungemeine Schönheit, Wahrheit und Prägnanz.
Sein Vortrag der Farbe wuchs mit dem Dinglichen
so innig zusammen, daß es lauteres

Ergötzen ist, ihre Harmonie wahrzunehmen.
Wie von selbst die schwer hangende Frucht
reift und abfällt, so wuchsen ihm unter der
Hand nun in rascher Folge die kostbarsten
Bildwerke. Da, urplötzlich, trat der Tod hinter
ihn. Es gab ein grausiges Ringen. In der
Vollkraft der besten Mannesjahre, wollte Dan-
hauser, der die Kunst und das Leben und
die Menschen liebte, sich nicht feigmütig ergeben
. Der erbitterte Kampf, den er focht,
war eben so schmerzlich wie vergebens. Am
4. Mai 1845, im noch nicht vollendeten
40. Lebensjahr, unterlag er dem Typhus. Wie
Waldmüller, neben und mit ihm, steht er in
seinem Werke nun wieder auf.

Die Kunst kann nur blühen und gedeihen, wenn sie
begeisternd auf alle Klassen der Gesellschaft zu wirken
vermag. Diese Stellung erringt aber nur die freie,
originelle, ihrer Würde sich bewußte Kunst. In diesem
Verhältnis stand sie zum Altertum, auf diesem Boden
wurzeln die klassischen Meisterwerke der Antike, wo
die Kunst, frei jedes Lehrzwanges, aus dem Urquell
der Natur und des Lebens schöpfend wirkte und schuf.

F. G. Waldmüller

FERD. GEORG WALDMÜLLER

RÖMISCHE RUINE IM PARK ZU SCHÖNBRUNN

215


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0272