Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 238
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-*=43g> JOHANNES BOSSARD <^-^

J. BOSS ARD ^ EXLIBRIS CECILE PEIPERS (FARBIGE LITHOGRAPHIE)

fügung gehabt hätte. Dann hätte ihn die
Sicherheit, sein Werk dauernd an bestimmter
Stelle wirksam zu wissen, freudiger und begeisterter
gemacht.

Und nun möchte ich eine ernste Mahnung
an die richten, die es angeht. Soll auch hier
wieder, wie in den Fällen Böcklin und Marees,
ein Talent zur Monumentalität ohne monumentale
Aufträge bleiben? Sollen auch jetzt
die großen Wandflächen der staatlichen Gebäude
wieder an Menschen vergeben werden,
die im Schweiße ihres Angesichts riesige
Bilderchen machen, die nach zwanzig Jahren
kein Mensch mehr beachtet? Wir haben den
Neubau der Königlichen Bibliothek in Berlin.
An wen will man die Freskenaufträge dieses unermeßlichen
Gebäudes vergeben? Wenn irgend
einer, so hat Bossard ein Anrecht darauf. Dieser
Künstlerwird Großesleisten, wenn er nur Raum
und Weite hat, um sich ausleben zu können.

Man wird vielleicht meinen, ich hätte in
diesem Aufsatz zu viel gelobt; man ist ja
volles Lob bei der Kritik gar nicht mehr gewöhnt
. Ich gebe zu, daß ich von den Schwächen
Bossards nur mehr beiläufig gesprochen
habe. Aber was nützt es, mangelhafte Komposition
oder zu große Härte des Ausdrucks
oder krasse Farbe dort zu tadeln, wo uns
gleichzeitig in monumentaler Form höchste
Mannhaftigkeit, höchstes Erleben der Welt
und des Menschen entgegentritt? Ich fühle
nicht den Beruf in mir, die Schöpfungen eines
Künstlers zu zerstückeln, dessen Größe gerade
in der Unteilbarkeit seines Werkes und
seiner Werke besteht.

Ich erinnere mich, wie ich mich einmal
Vorjahren mit einer sehr feinen und lieben
Frau über das Rembrandtsche Bild „David vor
Saul" unterhielt. Ich erwähnte die schlechte
Komposition: den in die Ecke gedrückten David,

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