Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 242
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-sf4^> VON AUSSTELLUNGEN

j. bossard exlibris dr. f. peipers (farbige lithographie)

nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit
dem Hirn. Nur so kann das Niveau des
Kunstverständnisses und des Geschmackes gehoben
und in Taten umgesetzt werden. Die
Taten, unser eigenes Tun und Lassen — das
ist überhaupt das Wesentlichste, denn wie die
Erziehung zum Leben, so will auch die zur
Kunst nicht nur gepredigt, sondern vorgelebt
sein.

VON AUSSTELLUNGEN

"DERLIN. Bei Schulte hängen noch die saftstrotzen-
den Baumgruppen, die in dämonischer Glut zitternden
Sonnenuntergänge, die gespenstisch zerfetzten
Nachtwolken des Flamen Courtens. Ein völlig
gegensätzliches Temperament offenbaren die geistreich
gemalten Porträts von Hubert von Her-
komer, in deren Charakter sich leicht etwas Ner-
vös-Preziöses, leider auch etwas Geistreichelndes
einschleicht. Bei allem aber eine Potenz. Das Hauptstück
, die >Jury der Royal Academy, London 1908«,
hat glänzende Porträts, aber keine Komposition; der
Versuch, 14 in einer Reihe nebeneinander sitzende
Männer (nur ein stehender) zu einer bildmäßigen
Wirkung zusammenzufassen, ist mißglückt. Fritz
Burger stellt ein Doppelporträt aus; als Bildnismalerei
gut; aber wiederum, wie so oft bei ihm,
ist zu viel Wert auf das Nebensächliche gelegt -
es ist ein Interieur mit Stühlen und Personen daraus
geworden. Die Konzentration auf die Hauptsache

fehlt. Unleidliche Pose und unwahrhafte Süßlichkeit
zieren die Porträts von Paul Joanowitsch-
Wien; da ist es schon eine Freude, die glatten, aber
sauberen und mit schlichter Natürlichkeit gemalten
Kleinigkeiten des verstorbenen Hugo Kotschenreiter
zu sehen. Von Ad. Hengeler werden uns
liebenswürdige Genrebildchen mit einer Dosis Humor
von Schwindscher Art gezeigt, sowie einige
recht gute Landschaften. Beachtenswert erscheinen
uns auch die stilisierten Landschaftszeichnungen von
Oskar Bergmann. Aktuell: >Bilder aus dem Sizi-
lianischen Erdbebengebiet« von Hans Busse, die
zum Teil hier schon gewürdigt wurden, u. a. eine
sehr aufregende Szenerie: »Mein Eßtisch«, besetzt
mit Flaschen und Früchten! Willy Stöwer stellt
Aquarelle von der Korfureise des Kaisers aus. Als
Trost zum Schluß zwei prachtvolle klarfarbige Landschaften
von Carl Küstner, ein >Winterbild< und
»Maitag in den Vorbergen«.

Der Salon Gurlitt bietet eine Kollektiv-Ausstellung
von Werken Emil Orliks. Die eminent dekorative
Begabung des Künstlers kommt hier voll zum Ausdruck
. Er versteht es wie wenige, eine Fläche zu
füllen und auf Silhouette hinzuarbeiten. Auch wenn
er keine japanischen Szenerien und japanisierende
Motive vorführte, würde der große Einfluß, den die
ostasiatische Kunst auf ihn ausgeübt hat, unverkennbar
sein. Aber ebenso klar ist, daß ein guter
Nährboden für diese Keime in ihm vorhanden war,
die er, ohne in sklavische Nachahmung zu verfallen,
in eine europäische Kunstsprache übersetzt. Im
Kolorit findet er Tonwirkungen von höchster Feinheit
, manchmal etwas hypersensibel, an die Wiener
Schule erinnernd. Einige sehr gute Porträts ver-

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