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J. bossard
zeichnung
mich aufzunehmen. Die letztere ist glänzend. Selten
ist es wohl einem Künstler gelungen, Bilder so fein
auf die koloristische Haltung ihrer Umgebung zu stimmen
, und nicht oft steht die Ausführung künstlerisch
so hoch über dem Entwurf wie bei diesen Arbeiten.
Aber der Abgeordnete Arendt sagt uns im »Tag«,
daß Jank die Vereinfachung aus Bequemlichkeit
vorgenommen hat. Also wird's ja wohl so sein,
denn Herr Arendt muß es doch wissen, aus was
für Gründen ein Künstler seinen Entwurf vereinfacht
! Auch alles übrige, was aus den Kreisen, die
leider das Bestimmungsrecht über die Bilder haben,
dagegen geschrieben ist, zeugt von einer teils kindlichen
Einfalt, teils laienhaften Anmaßung, die ebenso
zu bedauern wie zu verurteilen ist. — Inzwischen ist
ja auch eine von über 100 Münchner Künstlern unterzeichnete
Kundgebung erschienen, die gegen die
wegwerfende Art der Behandlung der Jank'schen
Bilder seitens des Reichstags protestiert.
Jetzt bin ich nur gespannt, welcher Künstler von
diesen Herren nunmehr für würdig befunden wird,
das Haus zu schmücken, und ob ein Künstler, der
auf sich und die Kunst etwas hält, diesen ehrenvollen
Auftrag auf sich nehmen wird. r. Schmidt
CCHLEISSHEIM. Keinem ernsthaften Kunstfreund
^ ist unbekannt, daß die Schleißheimer Galerie
neben hervorragenden alten Kunstwerken auch einige
Perlen moderner Kunst besitzt: Die Gemälde von
Hans von Marees und Pidoll, von Artur Langhammer
und Wilhelm Dürr dem Jüngeren. Allerdings
sind diese Werke in Schleißheim schwerer
zugänglich, als wenn sie etwa in der Neuen Pinakothek
in München hingen ; man erhebt aber schließlich
doch keinen Einspruch dagegen, daß Marees
und Pidoll in den friedlichen, freilich unter schlechten
Lichtverhältnissen leidenden Räumen des Seitenpavillons
, der ehemals die >Clementinische Sammlung
« enthielt, untergebracht sind. Anders steht es
mit den Werken Langhammers und Dürrs. Sie
sind nicht nur schlecht zugänglich (man steigt auf
einer sehr wenig komfortablen Treppe von der Ma-
rees-Sammlung zu dem Parterre-Saal hinab, in dem
sie für gewöhnlich hängen, oder man betritt diesen
Saal vom Schloßgarten aus), sondern auch dadurch
direkt gefährdet, daß sie in einem sehr feuchten
Räume aufgestellt sind — oder vielmehr waren.
Denn als ich jüngst nach Schleißheim kam, fand ich
die Bilder abgenommen und in einem keineswegs
besseren Seitenraum an die Wände gelehnt: in dem
ehemaligen Hauptsaal hatte man nämlich endlich
einmal den Mauerschwamm konstatiert und damit
die Gefährdung der Kunstwerke offiziell eingestanden.
Wie lange die Bilder, die tatsächlich sehr wenig gepflegt
aussehen, nun »deponiert« bleiben sollen, entzieht
sich meiner Kenntnis. — Wäre es, angesichts
dieser Umstände, nicht etwa besser, die Bilder fänden
einen anderen, ihrer würdigeren Aufbewahrungsort
? An die Neue Pinakothek, wo diese Bilder von
Rechts wegen hingehörten (Langhammer ist dort, laut
Katalog, 7. Aufl., mit nur einem Bild, Dürr überhaupt
nicht vertreten), ist wegen des Raummangels
nicht zu denken; für Langhammer könnte wohl
die neue Dachauer Galerie in Erwägung gezogen,
doch nicht unbedingt empfohlen werden — es bleibt
also nur ein Ausweg: man gebe die Werke der
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