Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 256
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-*-4^> HANS VON MAREES <^^~

musikdirektor Levi, von Schack ausbat und
dann der Schleißheimer Sammlung überließ
(Abb. S. 251); das andere die Landschaft im
Breitformat (Münchner Secession Nr. 53), das
an die Erben Schacks gelangt ist und soeben
von Franz Pallenberg erworben wurde. In
beiden erkennt man deutlich den neuen Weg,
den sich Marees in Italien vorzeichnete. Er hatte
begriffen, daß es, um vor den erlauchten Geistern
dieses Ideallandes der Kunst zu bestehen
, eine viel gedrängtere Form zu finden
galt, als das geschmeidig Malerische, das er in
München spielend gefunden hatte, daß man
hier nicht spielen, sich nicht dem flüchtigen
Eindruck überlassen durfte, sondern synthetisch
vorgehen mußte. Er erkannte vor allem, daß
ihm in München, unter dem Einfluß zeitgenössischen
Treibens, die Bedeutung des Räum-

HANS VON MAREES

BILDNIS CONRAD FIEDLERS (1869)

liehen entgangen war, das Mittel, mit dem
Lionardo die zauberhafte Distanz nicht nur
zwischen den dargestellten Dingen, sondern
zwischen Betrachter und Bild gelang. Hält
man sich diese Tendenz vor Augen, so gewinnen
die unsicheren Bilder der ersten römischen
Zeit entscheidende Bedeutung und die
beiden Römischen Landschaften erscheinen
wie Fixpunkte dieser Entwicklung.

Als Schack die Bilder erhielt, brach er die
Beziehungen zu Marees ab. Die beschränkten
Ideen der Zeit und das altmodische Lieb-
habertum Schacks lassen den kurzsichtigen
Schritt einigermaßen verzeihlich erscheinen.
Freilich brachte er den Künstler einen Augenblick
an den Rand der Verzweiflung. Marees
sah sich plötzlich aller Mittel entblößt und,
was ihn noch mehr bedrückte, er glaubte in
dem Schackschen Verhalten eine Bestätigung
des Schiffbruchs seiner eigenen
übertriebenen Ansprüche an sich selbst
zu erblicken. Denn so redelustig und
wortgewandt Marees vor anderen seine
Ueberzeugungen darzutun pflegte — eine
Gewohnheit, die ihn vielen Mißverständnissen
aussetzte und ihn Fernerstehenden
zuweilen größenwahnsinnig erscheinen
ließ — so klein dünkte er sich vor
dem Richterstuhl der eigenen Meinung.
Sein außerordentlicher Intellekt übersprang
hundertmal die Schwierigkeiten,
während die Hand natürlicherweise nur
viel langsamer folgte. Und dieses unumgängliche
Mißverhältnis, an dem jeder
große Mensch zu tragen hat, deprimierte
ihn oft bis zur Schwermut. Aeußere Umstände
, wie der im Grunde unvermeidliche
Bruch mit Schack ließen es ihn
doppelt fühlen. Damals wurde Ihm die
Freundschaft Konrad Fiedlers und des
jungen Adolf Hildebrand zur Stütze. Beide
erkannten den Wert des Menschen, dem
das größte Ziel gerade hoch genug war,
und den Wert des Künstlers, der bereits
die Bürgschaft, daß er mit der Zeit zum
Ziel gelangen würde, gewonnen hatte.
Fiedler wurde Marees' Retter. Er befreite
Marees von den Geldsorgen und
tat es nicht als Mäzen, sondern als zartfühlender
, ergebener Freund, der auf die
Empfindlichkeit des durch die geistige
und materielle Not überempfindsam Gewordenen
Rücksicht zu nehmen wußte.
Konrad Fiedler verdanken wir es vor
allem, daß wir heute das Werk, von dem
ein segensreicher Einfluß auf die deutsche
Kunst zu erwarten ist, besitzen.
Mehr als je ein König für einen Künstler

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