Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 257
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HANS VON MAREES

tat, hat Fiedler für Marees getan, weil er es
selbstlos tat, ohne einen anderen Hintergedanken
als den, der Kunst zu nützen. Sein
erster entscheidender Eingriff war, daß er
Marees für einige Zeit der zehrenden Atmosphäre
Roms entzog. Die beiden Freunde reisten
1869 zusammen nach Spanien und Frankreich.
Der Erfolg der Reise war, daß in Marees das
improvisierende Gestalten des Malers, das er
gewaltsam in Rom zurückgedrängt hatte, wieder
an die Oberfläche kam und die produktive
Kraft seines Genius löste. Er malte nach
seiner Rückkehr die Reihe köstlicher Bilder,
in deren Mittelpunkt die „Abendliche Waldszene
" steht. Der Krieg 1870/71, zu dem er
von Rom aus auf kurze Zeit eingezogen wurde,
unterbrach die Arbeit, zumal die Sorge um
seinen schwerverletzten Bruder Georg, mit
dem ihn herzliche Zuneigung verband. Nach
dem Kriege ließ er sich in Deutschland nieder
, zunächst bis zum Frühling 1872 mit
Hildebrand in Berlin, dann bis zum Frühjahr
1873 in Dresden, wo er bei seinem jungvermählten
Freunde, dem Dichter Koppel-
Ellfeld, wohnte. Neben den Legenden und
Idyllen, die noch gewisse Zusammenhänge mit
der römischen Periode aufweisen, wie der
„Römischen Vigna" (Abb. s. oben), deren Entwurf
noch in Rom entstanden sein mag, aber
ebenso wie ihr Pendant, „Villa Borghese", in

fm

RÖMISCHE VIGNA (1870/71)

Berlin ausgeführt wurde, hat Marees in dieser
Zeit zumal Porträts geschaffen, die die glänzende
Bildniskunst des jungen Münchners auf
höherem Niveau fortsetzen. Neben Leibi, dem
er voranging, verdanken wir Marees die besten
deutschen Bildnisse jener kunstreichen Epoche.
Das früheste Porträt nach der spanischen
Reise war das zweite Vaterbildnis, das mit
dem ersten Vaterbildnis, von dem oben die
Rede war, von der Familie des Oberstleutnants
Georg von Marees der Schleißheimer
Sammlung überwiesen wurde. Gleich darauf
entstand in Crostewitz bei Leipzig, dem Gute
Fiedlers, das lebensgroße Porträt seines treuen
Freundes und Wohltäters, als Dank für die
schöne Reise (Abb. S. 256). Dann folgen in
Berlin das Bildnis des Bruders, Marbachs und
das schöne Doppelbildnis Hildebrand und Charles
Grant; in Dresden Frau Koppel, Frau
Schaeuffelen, die beiden Heymelschen Selbstbildnisse
usw. Alle diese Bilder verraten den
Einfluß der Reise. In manchen nähert er sich
unbewußt den französischen Impressionisten.
Bewußt stand er den Franzosen fremd, bis zum
gewissen Grade sogar feindlich gegenüber. Er
schätzte den den Franzosen geläufigen Geschmack
für das Farbige und ihre Leichtigkeit in
derUebertragungdesNatureindrucksgeringein.
Beide Eigenschaften besaß er. Sie konnten ihm
nicht zur Schöpfung einer stabileren Malerei

Die Kunst für Alle XXIV.

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