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HANS VON MAREES
ZEICHNUNG
„Drei reitenden Heiligen", das unvollendete
„Paris-Urteil" und zuletzt „Die Werbung"
sind die Etappen dieses Weges. Viele andere
Werke stehen gleichbedeutend daneben. Einige
von ihnen sind hier abgebildet (S. 252 u. 267).
Der Autor hält es für seine Pflicht, darauf hinzuweisen
, daß auch die besten Reproduktionen
— und zu denen gehören sicher die des
Verlags dieser Zeitschrift — gerade von den
letzten und reifsten Werken Marees' keinen
sicheren Begriff zu geben vermögen. Unseren
glänzend vervollkommneten Reproduktions-
verfahren gelingt zumal, ein lückenhaftes Machwerk
zu verbessern, und sie versagen überall
da, wo der Künstler alle Bedingungen seiner
Kunst erfüllte und je mehr er sein Werk
für die unmittelbare Betrachtung bestimmte.
Die lückenhafte Wertung unserer Zeit, unter
der namentlich Marees schwer gelitten hat,
wird zum guten Teil der Perfektion unserer
Klischees verdankt. Wer in den Abbildungen
etwas anderes als mnemotechnische Hilfsmittel
sieht, wird nie zu einem Genuß, geschweige
zu einem Urteil gelangen.
Große Künstler erkennt man an der Größe
ihrer Ziele, an der Spannkraft, mit der sie
den Weg, den sie durchlaufen haben, stets in
neue höhere Gefilde verlängern. Die Frage,
ob sie ihr Ziel erreichen, kommt nur denen
in den Sinn, die von der Größe zu gering
denken. Das Beglückende Rembrandts, Rubens',
Tizians ist die Freude an der schon zu Lebzeiten
zur Tatsache gewordenen Unsterblichkeit
ihres Geistes. Sie blieben nicht auf derselben
Stelle, sondern bewegten sich vorwärts.
So machte es Marees. Gerade das dürfte
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