Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 263
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^4sö> HANS VON MAREES <ös^

HANS VON MAREESvsBILDNIS GRANT, HILDEBRAND UND MAREES (1873)

Entwurf zu den Fresken in Neapel

ihm erschwert haben, Anhänger zu rinden.
Er hatte wie selten einer die Relativität künstlerischer
Ziele erkannt und gehörte zu den
großen Unbestechlichen, denen das heute Erkannte
nicht den Weg zur besseren Erkenntnis
des folgenden Tages verbaut. Er hat nie
das besessen, was kluge Künstler dem beschränkten
Sinne des Liebhabers als Köder
hinzuhalten wissen, einen Genre. Es kann
bedauert werden, daß ihn die Sehnsucht nach
dem Fortschritt zu rücksichtslos gegen das
eigene Werk machte, daß er immer wieder
Verbesserungen an fertigen Bildern vornahm,
anstatt neue Tafeln oder neue Leinwand zu
nehmen. Das zuweilen hundertmal wiederholte
Uebermalen ließ handwerkliche Rücksichten
außer acht und hat die Materie vieler
Bilder schwer geschädigt. So groß die Bedenken
dagegen sein mögen, sie rauben der
Größe des Künstlers nichts. Denn wenn die
Einzelheit von dem Uebermalen geschädigt,
zuweilen sogar vernichtet wurde, das Ganze,
das der Künstler im Auge hatte, gewann.
Nur darauf kam es ihm an. Das höchste
Gesetz des Künstlers, das ihm das Opfern

auferlegt, hat niemand kühner und weniger
selbstlos, weniger eitel verstanden. Und keine
seiner Uebermalungen hat nicht tatsächlich
eine Verbesserung, eine höhere Realisierung
angestrebt und erreicht.

Ein Irrtum hat hartnäckiger als alle anderen
an seinem Namen gehaftet: der Tadel gegen
seine Zeichnung. Keiner erscheint uns heute
weniger begreiflich. Er ist nicht Teil einer
veralteten Kunstanschauung. Wer so dachte,
war aller künstlerischen Regungen bar. Denn
solcher Tadel konnte nur der Forderung entspringen
, die Kunst müsse wiederholen, statt
zu schaffen. Uns scheinen Marees' Zeichnungen
die sichersten und überzeugendsten Dokumente
seiner Künstlerschaft. Wäre es möglich,
so müßten sie zu Tausenden auf unseren Akademien
verteilt werden, um den Kunstschülern
eine sichere Norm in die Hände zu geben.

Marees starb in Rom am 5. Juni 1887, noch
nicht fünfzig Jahre alt, an den Folgen eines
Karbunkels. 1891 veranstaltete Konrad Fiedler
im Münchener Glaspalast eine Ausstellung des
damals zugänglichen Werkes. Seitdem blieb
das Andenken an Marees auf die persönlichen

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