Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 276-277
(PDF, 162 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0337
PH. O. SCHAEFER

ist er dieser Gruppe treu geblieben. Er blieb
auch glücklich bewahrt von schnell wechselnden
künstlerischen Einflüssen, welche gerade bei
dem modernen Kunstbetrieb den Talenten so
gefährlich werden. Von Jugend an schwebte
ihm ein „Ideal" vor Augen, an das er glaubte
und das ihm den Weg seiner Entwicklung in
ganz natürlicher Weise vorzeichnete.

Philipp Otto Schaefer wurde als der Sohn
des Professors der Kunstgeschichte Dr. Georg
Schaefer 1868 in Darmstadt geboren. Seine
Jugend verlebte er in einem kunstbegeisterten
Hause; er hatte, da der Vater eine wertvolle Bildersammlung
besaß, die schönsten Vorbilder
beständig vor Augen. Früh wurde er mit den
Werken der Antike und Renaissance bekannt.
Das Vertrautsein mit dem antiken Schrifttum
führte ihn immer tiefer in diese Welt ein,
die unzweifelhaft am nachhaltigsten die künstlerische
Richtung seines Talents bestimmt hat.
Als sich ihm dann später in der italienischen
Kunst die Welt der Formen und Farben erschloß
und er sein Auge an den Meisterwerken
der Renaissance bilden konnte, entwickelte
sich sein Talent schnell zu größerer Reife.

Die nun folgenden Jahre verlebte er in

München. Dieser Münchner Aufenthalt, der
von 1888 bis gegen Ende 1908 währte, wurde
allerdings öfter von Studienreisen und Reisen
zum Zwecke der Ausführung von Porträtaufträgen
unterbrochen. In München entstanden
zumeist alle die Schöpfungen, von denen wir
die für seine Arbeitsweise markantesten Beispiele
hier im Bilde vorführen und die alle
die charakteristischen Eigentümlichkeiten seines
künstlerischen Schaffens und seines Stoffgebietes
zeigen.

Auf seinen Bildern schreiten Geschöpfe unter
einem heiteren Himmel, in einer reichgesegneten
Natur wie im Garten Eden leichtbeschwingten
Fußes einher. In süßem Nichtstun
lagern sie auf der fruchtbaren, lebennährenden
Erde, wandeln unter Bäumen, in deren
grünem Laub die goldenen Früchte schimmern,
tummeln sich mit fabelhaften Meertieren lustig
im Spiel der Wellen und Wogen. Zuweilen
zeigen sie auch ihre animalische Natur in
elementaren Leidenschaften und wilden Kämpfen
. Aber niemals ist dieses leidenschaftliche
Wesen selbst das vordringliche in diesen Erscheinungen
. Diese Wesen scheinen nur da
zu sein, um durch den Rhythmus und den

276

ENTWURF ZUM FRIES IM ZIMMER DER G R O S S H E R ZO GI N IM HOCHZEITTURM ZU DARMSTADT

Fluß der Linien und Kurven, durch das bunte
Wechselspiel ihrer Bewegungen das Auge anzuziehen
und zu fesseln. Wir sind Zeugen
eines wilden Kampfes, sehen mit gespanntem
Interesse zu und bewundern die Schönheit in
der Entfaltung rhythmischen Linienspiels, den
Reichtum an anschaulichen Beziehungen, der
sich im Bilde entfaltet.

Philipp Otto Schaefers Kunst führt in die
heiteren Regionen, wo die reinen Formen
wohnen.

Auf allen seinen Bildern verherrlicht er
das Animalische des menschlichen Körpers,
zeigt uns die ornamentale Schönheit der Formen
, wie sie sich im Spiel der Kräfte, im
Laufen, Springen, Tanzen, Ringen und Kämpfen
entfaltet.

Der Fluß der Linien strömt wie ein ununterbrochener
Wohllaut dahin. Die auf reiche
Kontrastwirkungen gestimmten Bildkompositionen
sind wie symphonische Dichtungen aufgebaut
. Dieser Aufbau ist in seiner zeichnerischen
Komposition oft sehr mannigfaltig, es
liegen ihm als Grundschema kreisförmige,
elliptische und parallele Anordnungen zugrunde
.

Die Komposition nimmt auch Bedacht auf
die räumlichen Wirkungen, das gegenseitige
Verhältnis der Erscheinungen im Räume. Die
menschliche Figur und ihre Stellung im Raum,
ihre unerschöpflichen Beziehungen zu der umgebenden
Natur, bildet ein immer wiederkehrendes
Motiv auf Schaefers Bildern.

Die Zeichnung dient ihm als das vorzüglichste
Mittel, diese Beziehungen der Erscheinungen
unter- und zueinander zum Ausdruck
zu bringen. Die Farbe tritt hinzu; sie ist ihm
aber auch gleichzeitig ein Mittel, um malerische
Stimmungen auszudrücken, welche nicht
allein durch die Linie und die Form angedeutet
werden können. Schaefer sucht die
Farbe allgemeinen Gesichtspunkten unterzuordnen
, daher er oft die Glut des Kolorits
durch die Kühle des Tones abdämpft. Es ist
eben der Ton, der sich aus dem Stil des
Ganzen ergibt. Es ist klar, daß ein derartig
veranlagtes Talent seine Phantasie nicht auf
die Dauer in das Prokrustesbett des Staffeleibildes
zwängen läßt, sondern versucht, seinem
Drange nach großzügigem Schaffen doch wenigstens
in Skizzen von Wand- und Deckengemälden
Luft zu verschaffen.

277


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0337