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-^g> HANS VON MAREES'LERN-UND LEIDENSJAHRE IN ITALIEN
Indem ich hoffe, daß auch meine hiesigen
Arbeiten schließlich zu Ihrer Zufriedenheit
ausfallen werden, verbleibe ich mit der größten
Hochachtung ganz ergebenst
Hans v. Marees.
Die Antwort auf diesen, im wesentlichen rein
geschäftlichen Brief, schickte ihm Schack durch
Lenbach, wie aus einer Bemerkung des Len-
bach'schenBriefes vom 28. Juli 1865 hervorgeht,
in welchem die von Marees begonnene Kopie
des Velasquez mit den Worten erwähnt wird:
„Er hat es sehr gut angelegt."
Am 11. August konnte Lenbach Marees noch
loben: „Marees copirt jetzt sehr fleißig, die
Copie nach Velasquez ist bald fertig." — Am
gleichen Tag schrieb Marees folgenden Brief
an Schack:
Hochgeehrtester Herr Baron!
„Ihren geehrten Brief habe ich richtig erhalten
, sowie auch durch Lenbach den Wechsel,
wofür ich hiemit meinen besten Dank abstatte.
Da Fenzi die Wechsel nicht acceptirt hat,
so hat sie Lenbach nach München gesandt,
wo dann Herr Oberndoerffer am besten wißen
wird, was zu thun ist.
Mit dem Velasquez bin ich schon sehr weit
vorgeschritten, und ich glaubesagen zu dürfen,
daß derselbe in jeder Beziehung besser werden
wird als der Palma. Der Andrea wird nicht
frei, darum habe ich ein weibliches Bildnis
von Raphael, bekannt unter dem Namen der
„Donna velata" gewählt. Dieses Bild ist eines
von denen, die, je öfter gesehen, um so mehr
gefallen. Ich hoffe, Herr Baron, daß Sie diese
meine Wahl billigen werden; es ist ein ganz
außerordentlich reizendes Bild; auch habe ich
schon alle nöthigen Schritte gethan, um es
zu erhalten. Man muß hier immer schnell
bei der Hand sein, sonst geht eine Masse
Zeit verloren. Wenn ich in meiner Arbeit
glücklich bin, so kann ich vielleicht Anfang
Oktober alle drei Bilder von hier absenden.
Wenn ich auch hier so fleißig und thätig
bin wie es mir möglich ist unter den gegebenen
Umständen, so freue ich mich doch
auch deßhalb ganz besonders auf Rom, weil
ich dort, ganz Herr meiner Zeit, meine Kräfte
jedenfalls noch viel mehr anspannen kann.
Sobald die dritte Copie vollendet sein wird,
werde ich dann gleich nach Rom abreisen,
um so schnell wie möglich wieder in der
Arbeit zu sein.
Mit der größten Hochachtung verbleibe ich
ganz ergebenst TT
& s Hans v. Marees.
Viel Freude an der Arbeit des Kopierens
leuchtet aus diesem Briefe nichthervor. Marees
hofft auf Rom, wo er sie abschütteln und sich
ganz seiner eigentlichen Aufgabe hingeben
kann. Nachdem er von Florenz nach Rom
übersiedelt war, schrieb Lenbach am 5. September
1865 an Schack: „Ich bin sehr gespannt
, was Marees in Rom malen wird, co-
piren, das habe ich schon gesehen, ist seine
Sache nicht." Nach dem Vorausgehenden ist
das so aufzufassen: Er kann zwar kopieren,
aber er will nicht.
Schack ließ den jungen Künstler gewähren.
Er durfte ganz seine eigenen Wege gehen.
Während der Graf sonst Bilder nur nach
Skizzen unter Vereinbarung der Größe und
des Honorars bestellte, ließ er Marees völlig
freie Hand. „Die großen Venetianer", schreibt
er in seinem Buche „Meine Gemäldesammlung
", „besonders der unvergleichliche Gior-
gione schwebten Marees als Muster vor, und
er mühte sich jahrelang in Rom, ein Bild im
Stil und in der Farbe dieses Meisters hervorzubringen
, von welchem er träumte, es werde
die schönste Zierde meiner Galerie werden.
Sein ernstes unablässiges Ringen flößte mir
Achtung ein, und obgleich mir Kopieen von
seiner Hand lieber gewesen wären, ließ ich
ihn gewähren."
In Rom schloß sich Marees mehr und mehr
von seinen Bekannten ab und arbeitete, einem
Alchymisten ähnlich, an seinem Lebenswerk,
dessen wundergleiches Erscheinen er von Tag
zu Tag, von Monat zu Monat erwartete. Schack
mußte auf den nächsten Brief dreiviertel Jahr
lang warten. Er lautet:
Rom, den 11. Mai 1866.
Hochgeehrtester Herr Baron!
„Verzeihen Sie mir, daß ich so lange geschwiegen
und nicht nur dieses, sondern daß
ich auch bis jetzt nicht im Stande war, mein
Versprechen behufs der beiden abzusendenden
Bilder halten zu können. Es ist für mich
allerdings ein nicht wenig drückendes Gefühl,
Ihnen meinen Eifer und meine Absichten nicht
so schnell durch fertige Werke beweisen zu
können, wie ich es wohl anfangs glaubte, und
dadurch vielleicht Ihre Unzufriedenheit zu erregen
. Wenn Sie indessen in Erwägung ziehen,
Herr Baron, wieviel mir mangelte, wie Vieles
ich zu lernen hatte und noch habe, um in
meinen Werken nur einigermaßen mit der Umgebung
zu harmonieren, so werden Sie gewiß
noch einige Geduld mit mir haben. Ich weiß
sehr wohl, daß ich nicht sobald im Stande sein
werde, Tadelloses zu leisten, aber zum Wenigsten
muß die Intention eines Bildes klar ausgedrückt
sein, ehe ich ein solches die Reise
von Rom nach München machen lassen darf.
An meinen Anstrengungen werden Sie nicht
zweifeln und überzeugt dürfen Sie sein, daß
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