Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 286
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0346
-^=4^> IVAN MESTROVIC <&$*-^

sion auftauchenden Skulpturen. Eine Unerschrockenheitgegenüber
dem Häßlichen paarte
sich mit einem sinnlichen Wühlen in rassigen
Schönheitsmotiven, in kräftigen Körperformen,
in buschig gewölbten Haaren —. Und alles
wirkte eruptiv, wie aus einem Guß, unabänderlich
, nicht wie das absichtlich Zusammengetragene
eines Genie-Strebers. Den größten
Eindruck (von diesen frühen Werken) machte
„Der Fuß Gottes", ein zusammengeballter
Klumpen abergläubisch verzagter, ringender,
flehender, klagender Menschenleiber, zertreten
von einem gigantischen Fuß (Abb. s. unten) —.

ivan mestrovic

Die ganze sklavische Devotion der südslavi-
schen Landbevölkerung war in diesem Symbol
zu ergreifendem Ausdruck gebracht. Daneben
aber gab es scharf erfaßte, den ungetrübten
Blick für das Lebendig-Charakteristische beweisende
Porträts; bereits als Knabe hatte der
Künstler viele seiner Landsleute in Spalato zu
porträtieren gehabt, und bald eine große Uebung
erlangt.

Schon in diesen frühen Werken zeigte sich
ein Hang zum Stilisieren, der freilich noch von
mannigfachen Vorbildern, von Biegas Bol, Rodin
u. a. beeinflußt erschien. Ivan Mestrovic war
damals an der Wiener Akademie
der bildenden Künste als Schüler
eingetragen; und gerade in den
Jahren 1900 bis 1904 brachten
die rasch wechselnden Kunstausstellungen
eine solche Fülle wichtiger
Anregungen, Werke französischer
, deutscher, russischer etc.
Meister, daß der junge, eigensinnig
seinem Kopf folgende Künstler bei
seinen Professoren das allerwenigste
lernte. Das Technische hatte
er sozusagen von Geburt aus in den
Händen; und die Bildungselemente
der modernen Kultur ergriff sein
elastischer Geist im Fluge.

Dann aber begann eine Reaktion.
Als alles Neue und Fremde verarbeitet
war, kam die angeborene
Eigenart mit der Kraft des Selbsterhaltungstriebes
wieder zum Vorschein
: Das leidenschaftliche Empfinden
des Südslaven, die von Sage
und Volkslied genährte Phantasie,
und ein Stilgefühl, das gewiß angeboren
, jedoch durch starke in der
Jugendzeit von den Kunstdenkmalen
der dalmatinischen Küstenstädte
empfangene Eindrücke entscheidende
Richtung erhalten hat.

Zugleich erhielt Mestrovic, der
bald bekannt geworden war, mehrere
größere Aufträge im Material
durchzuführen. EinDenkmal für den

Dichter Botic,
in Bronze (s.
Abb. S. 291);
es ist in Spalato
aufgestellt.
Mehrere Reliefs
für Fassaden
und Hallen
. Porträtsin
Marmor. —
der fuss gottes Das Material

286


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