Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 291
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0351
-s-^> VON AUSSTELLUNGEN <^=^

sehr auf der Grenze von Gut und Böse stehen.
Es hält sehr schwer, Firle in eine bestimmte
Künstlerkategorie, in eine >Schule< einzureihen
, weil er seinen inneren Charakter nicht
zeigt, resp. weil er zu sehr schwankt, wozu er
sich bekennen soll, und so gewissermaßen
nach allen Seiten eine Reverenz macht. Von
den biblischen Gemälden — das Genre, wodurch
er bekannt geworden ist — sind zwei
zur Stelle, eine etwas zu schwerblütige Kreuzabnahme
und eine liebenswürdige Madonna
mit Engeln. Hans Bohrdt hat die Ergebnisse
einer Flottenreise nach Madeira etc. in
20 Gouachebildern festgehalten und hier jetzt
mit anderen Seebildern ausgestellt.

In Caspars Kunstsalon: Ludwig Dett-
mann, Carl Kappstein (Berlin), O. Fren-
zel und A. LiEDTKe (Potsdam). Ferner einige
flott gemalte, nervöse und doch leblose Porträts
von P. E. Morino (Florenz), von dem
auch einige recht feine Stilleben. Endlich eine
größere Reihe Landschaften von Richard
Pietzsch (München), zum Teil während seines
Aufenthalts in der Villa Romana entstanden
, zum Teil aus Süddeutschland und
Schweden. Einige der italienischen Landschaften
sind ausgezeichnet, vor allem Florenz
mit grell beleuchteten Häusergruppen unter
einem schweren Gewitterhimmel, dann auch
ein blühender Oleanderstrauch über einer
grauen Mauer. Bei anderen Bildern wirkt
seine sehr kräftige Pinselführung oft zu
schwer. r. Sch.

/BREFELD. Im hiesigen Kaiser-Wilhelm-
Museum hat man augenblicklich Gelegenheit
, in einer größeren Zahl von Bildern
Curt Hermanns Farbensymphonien kennen
zu lernen. Leuchtender und prächtiger ist
seine Palette geworden; das zeigt ein Vergleich
dieser Gemälde mit seinen früheren iva
Arbeiten, deren zwei sich im Besitze des
Museums befinden. Mit Curt Hermanns Bildern
ist ein in Hinsicht auf die Farbengebung
lehrreiches Gegenstück vereinigt in einer umfangreichen
Auswahl von Werken Paul Baums, dessen
Farbenwahl im Vergleich zu ihm fast zaghaft erscheint
, aber von feinsinnigem Wohlklang ist. Seine
Bilder und Zeichnungen, die gleichfalls ausgestellt
sind, insbesondere seine Winterlandschaften lehren
ihn auch als Meister der Form schätzen.

FRANKFURT a. M. Bei Hermes & Co. eine Kollek-
*• tion von Landschaften von Prof. Adolf Hoelzel.
Die teilweise recht tonschönen Ausschnitte aus der
Natur kranken etwas an einer Blässe, die an Steindruck
erinnert; am besten ist eine grausilbrige Ansicht
von Cannstatt. Daneben wird mit zehn Bildern
Philipp Klein gezeigt. Er erinnert in der
>Reiterstudie<, dem >Reiter vor dem Kornfeld«, der
>Strandszene« nach der Seite der Mache wie in der
Fixierung der Bewegung an Max Liebermann. Als
dritter der Frankfurter Andreas Egersdoerfer
mit ebenfalls Landschaften. Am besten gelungen
ist ihm die Ansicht der Frankfurter Untermainbrücke;
jedoch wird hier auch zusehr noch französisiert,
was stets Selbständigkeit ausschließt oder auf Kosten
der Eigenart gehen muß. z.

I/'ARLSRUHE. Kunstverein. Albert lamm-Mug-
gendorf, hervorgegangen aus der Schule H.
Thoma's, versucht es, die Natur in ornamentaler
Weise zu stilisieren, was er auch annähernd erreicht,
unterstützt von einem lebhaften, feinfühligen Kolorit.
Erich erler-Samaden, den wir sonst nur als den

n mestrovic der dichter botic

Aus der I. Fassung des Denkmals für Spalato

charakteristischen Schilderer des winterlichen Enga-
diner Hochgebirges kennen, versucht diesmal die
Blütenpracht des Sommers darzustellen, was ihm
auch in überraschendem, eindrucksvollem Maße gelingt
. Sehr interessant und künstlerisch hochstehend
ist die Kollektion von Iwan THiELE-Paris, Porträts,
holländische Landschaften und Stilleben in gleicher
koloristisch feinst gestimmter Vollkommenheit umfassend
. Unter den hiesigen Künstlern nimmt der
Altmeister Schönleber mit einer prächtigen Darstellung
der leider dem Untergang geweihten Laufenburger
Stromschnellen den ersten Platz ein, ihm
schliessen sich sein begabter früherer Schüler Karl
Biese mit zwei sonnigen intimen Schwarzwaldlandschaften
und Gustav Kampmann würdig an.
Auch Hans v. Volkmann, Otto Leiber und der
Trübnerschüler Heinr. Freytag, sowie Max Lieber
zeichnen sich durch feingestimmte Landschaftsmotive
in ihrer bekannten Kunstweise rühmlichst aus. Auf
dem Gebiete der Plastik erwähnen wir die einheimischen
Künstler K. Karcher und Otto Feist
mit trefflichen Porträtbüsten, Statuetten und Reliefs.

jV/IÜNCHEN. Wenn wir von klassizistischer und
romantischer Malerei sprechen, so steigen vor
unserem geistigen Auge Bilder von kolossalen
Dimensionen auf, Historien und Staatsaktionen,
pompöse Allegorien, Prunkstücke für Fürstenschlösser
oder richtige Galeriemaschinen. Wir tun damit
aber der Romantik und dem Klassizismus ein

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