Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 292
(PDF, 162 MB)
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-sj-^> VON AUSSTELLUNGEN

ivan mestrovic

bildnisb

wenig Unrecht, denn schließlich erschöpfte sich
ihre Kunst doch nicht in diesen riesigen, ästhetisch
meist herzlich unerquicklichen Kompositionen. Es
ging daneben auch ein intimeres, der Natur und
dem Leben näherstehendes Kunstschaffen her, das
unser Empfinden viel mehr anspricht als jene blasse
oder exaltierte »große Kunst«. — Die Ausstellung
im Kunstsalon Walter Zimmermann, die sich ein
wenig unglücklich und nicht ganz bezeichnend
»Empire und Romantik« nennt, zeigt uns, zumeist
aus Privatbesitz, solche intime Kunst des französischen
Klassizismus und der französischen Romantik
. Von David, der das Empire am echtesten
vertritt, finden wir ein ganz eigenartiges
Profilbild des Dauphin, angeblich im Gefängnis des
Temple gemalt, und das pikante Porträtköpfchen
der schönen Madame Recamier, das von David wahrscheinlich
nach seinem bekannten Bild dieser schönen
, geistreichen Frau, das heute im Louvre hängt,
gezeichnet wurde. Daß es als Studie zu diesem
Bilde, also vorher, entstanden ist, scheint mir unwahrscheinlich
, da viele Kleinigkeiten in Haltung
und Komposition der Zeichnung direkt auf die
Existenz des fertigen, großen Bildes hinweisen.
Prud'hon und Ingres sind gleichfalls mit kleineren
Arbeiten vertreten, von Ingres ist besonders
eine aquarellierte Federzeichnung, ein überaus delikates
Frauenbildnis, von hohem Reiz. Den Mittelpunkt
der ganzen Veranstaltung aber bilden die

Kollektionen von Theodore G£ricault
und Eugene Delacroix. Die Bedeutung
des jung verstorbenen Gericault hat uns
die Berliner Ausstellung seiner "Werke 1907
gelehrt; hier wo uns neun Werke seiner
Hand vorgezeigt werden, können wir wenigstens
ahnungsweise seine umwälzende
Bedeutung für die französische Kunst erkennen
. Freilich fehlen alle großen Arbeiten
, auf denen sich Gericaults Ruf gründet
: sein Medusa-Floß, sein Karabinier,
sein Rennen in Epsom — trotzdem erkennt
man die eminente Kraft und Tiefe
seiner Kunst und die Pracht seiner Palette
an Stücken wie dem »Narren«, an den
Pferdebildern, an den »Abgeschlagenen
Köpfen«. Was bei Gericault ein Versprechen
war, ein Aufdämmern, ein Frühling,
dem kein Herbst beschieden, das wurde in
Delacroix, dem Schöpfer der Dantebarke,
zur Erfüllung. Seine Malerei ist die wundervollste
Koloristik, die bis dahin in der
französischen Kunst aufgetaucht war. —
Mit größeren Serien ihrer Werke sind in
dieser Ausstellung weiterhin u. a. Corot,
Daumier und besonders Courbet vertreten
: sie passen aber eigentlich nicht
mehr in den Rahmen, den der Titel der
Veranstaltung geschaffen: Sie sind weder
Künstler des Empire noch der Romantik,
sie gehören zum Realismus, zumal Courbet.
Auch Millet gehört dahin; von ihm findet
man bei Zimmermann ein etwas hart gemaltes
, überaus interessantes Damenporträt
, zu einer Zeit entstanden, da Millet
die Bedeutung Barbizons noch lange nicht
aufgegangen war: ich vermute, daß es noch
in der Cherbourger Zeit unter Langlois'
Aegide gemalt wurde. g. j. w.

ÜNCHEN. Die eigenartige Kunst Willi
Oste Geigers zu studieren, bot eine Ausstellung
der graphischen Werke dieses jungen
Künstlers, veranstaltet von der »Modernen
Kunsthandlung«, Gelegenheit. Geigers künstlerische
Entwicklung hat sich während etwa eines
knappen Jahrzehnts in interessanter Weise gestaltet.
Seine frühen Federzeichnungen, die in der Mappe
»Seele« vereinigt sind, zeigten ihn zwar bereits als
einen überaus sicheren Zeichner, aber die Motive, die
er bildnerisch behandelte, waren im Geiste jener stark
literarisch angehauchten Zeit sehr nach der philosophischen
Seite hingewandt. Es war viel in sie »hinein-
geheimnist«, und den Fernerstehenden konnten sie
wohl gar verwirren. Aber schon in dem zweiten
graphischen Zyklus Geigers entwirrt sich das Bild.
Die Radierungen, zu denen Geiger inzwischen übergegangen
war, paraphrasierten das Thema »Liebe«,
wie denn ein gewisses erotisches Moment, das seinen
stärksten Ausdruck in dem Privatdruck »Das gemeinsame
Ziel« fand, durch alle Arbeiten Geigers geht.
Was der Graphiker durch fortwährende, unverdrossene
Arbeit an der Verbesserung seiner technischen
Mittel, durch das Versenken in die Schöpfungen
der großen Meister, durch Studienreisen und
nicht zuletzt durch Stabilisierung und Vertiefung
seiner Lebens- und Kunstanschauung geworden ist,
das dokumentiert sich in den beiden großen Radierzyklen
, die er uns als Frucht seiner beiden letzten
Arbeitsjahre vorlegt. »Der Stierkampf«, zu dem es
auch ungemein frische und unmittelbar gesehene
farbige Studienblätter gibt, entstand im wesentlichen
in Madrid und Sevilla. Er stellte den Künstler, dessen

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