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-s-^> VON AUSSTELLUNGEN — VERMISCHTES <^-^
Prägnant und dabei weich sind die Bildchen
von Ferdinand Brunner, bewußt
gellend die von Eduard Ame-
seder (»Geschirrmarkt in Gmünd«),
recht im Gegensatz zu der Zurückhaltung
J. N. Gellers und dem scharf
kohturierenden Oswald Grill. Nach
dem Großzügigen in der Beobachtung
von Luftstimmungen trachten Heinrich
Tomec, der Hochgebirgsmaler Friedrich
Beck und als Wolkenfreund
Thomas Leitner. Wenn man so sagen
darf: hinter sich selbst bleiben nicht
zurück die oft genannten Max Suppan-
tschitsch, Ed. Kasparides, Fritz
Pontini, Alfred Zoff, St. Simony,
Zetsche, R. Quittner, Hans Ran-
zoni, Wilt und Gsur; fleißig in der
Wiedergabe von Wiener Ansichten sind
R. Bernt und E. Graner, freier, malerischer
auf demselben Gebiet ist Karl
Pippich. Als Radierer hat sich nur
Ferdinand Gold mit kleinen zarten
Blättern eingestellt. So viel von den heimischen
Künstlern, neben denen der
»Künstlerbund Karlsruhe« und andere
deutsche Gäste fast ebensoviel Raum
einnehmen. Am Ehrenplatz hängt ein
großes, trotz den zurückhaltenden Farben
gebieterisches Pastell von Gustav
Schönleber (»Laufenberg am Oberrhein
«), der mit kleineren Werken ein
ganzes Kabinett gefüllt hat. Er allein
von all den Karlsruhern ist ausreichend
gut vertreten, denn schließlich ist die
Tätigkeit der H. v. Volkmann, Fi-
kentscher, luntz, kampmann u. a.
mehr von Belang als es hier ersichtlich
wird; gute Radierungen von Adolf
Schinnerer, die nicht allein in ihren
symbolischen Absichten unausgegore-
nen von A. Babberger, die Holzschnitte
Hans Schroedters sind bemerkenswert
. Hans Thoma fesselt am meisten
durch frühe Porträtzeichnungen aus dem Heimatsdorf
(1879), ist aber sonst nicht zum Besten repräsentiert
; bei W. Steinhausen (Frankfurt a. M.)
sieht es fast aus, als hätte man ihm einen Tort
antun wollen, so fahrlässig ist die Auswahl getroffen
worden. Eine vorzügliche Radierung von Hans am
Ende und tonstarke Zeichnungen von Dill halten
sich gut neben Hans Herrmann (Berlin) und Dett-
mann, die dem Großmeister des Aquarells, Hans
von Bartels, sekundieren. — Nach der Uebersicht
über ein derartig vielgestaltiges und ermüdendes Gewimmel
ist es eine Erquickung, sich einer einzelnen
Individualität in ruhiger Beschaulichkeit widmen zu
dürfen: in der Galerie Miethke hatte Wilhelm Trübner
38 seiner Werke versammelt, die seinen Entwicklungsgang
seit 1871 verfolgen lassen. Der führte
von den lehrhaften Einflüssen Canons und späterLeibls
zu der bekannten Art des selbsteigenen Meisters. Da
erst ging ihm das Licht, das des pleinair, auf, ohne
daß er damit irgend etwas Konventionellem, das sich
doch schon bei vielen extrem modern sich Gebärdenden
findet, anheimgefallen wäre. Trübners Waldinterieurs
mit den flackernd schwimmenden Sonnenblicken
und seine Reiterbildnisse werden als malerische
Dokumente der gegenwärtigen Kunst von Bestand
sein. In Wien hat man es, das sei nebenbei
bemerkt, dankbar empfunden, daß Trübner in der
Einleitung zu dem Katalog offen bekennt, daß zwei
österreichische Künstler, Canon und Schuch, viel
ivan mestrovic
singendes madchen
dazu beigetragen haben, ihn zu einem gründlich vorbereiteten
und vom Publikumsgeschmack unabhängigen
Schaffen zu ermutigen. — Der Hagenbund beherbergt
die früher schon in Rom und anderwärts zur
Schau gestellten acht Bildnisse des Papstes Pius X.
von Otto Hierl-Deronco (München). Da mit hand-
fertigerVerve und auf Grund verschiedenerSituationen
im privaten und öffentlichen Leben des Kirchenfürsten
die malerischen Probleme behandelt sind, wurde die
sonst unvermeidliche Eintönigkeit vermieden. Der
Hagenbund hat den in satten Farben schwelgenden
Bildern eine prunkvolle Stätte bereitet; die Begleitschrift
des Katalogs ist dadurch bemerkenswert, daß
in ihr Rudolf Junk, ein auf dem Gebiete des Holzschnitts
und der Buchausstattung erprobter junger
Künstler, mit schöner paläographischer Haltung doch
einen modernen Geschmack verbindet. k.
VERMISCHTES
t>ERLIN. Nach der Affäre Jank wirkt es wie ein
Beruhigungspflaster, wenn jetzt die Notiz durch
die Blätter geht, daß nunmehr doch die kaiserliche
Genehmigung zur Aufstellung des Virchow-Denk-
mals von Klimsch auf dem Karlsplatz eingegangen
ist. Man wird sich der Vorgänge, die seinerzeit
vielfach böses Blut machten, erinnern. Ein Entwurf des
Künstlers war in der Konkurrenz mit dem ersten
Preise gekrönt und von der Stadt Berlin und der
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