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VERMISCHTES — PERSONAL-NACHRICHTEN <&2^
Aerzteschaft zur Ausführung bestimmt worden. Nach
Fertigstellung des Modells wurde von verschiedenen
Seiten heftig gegen das Werk polemisiert, was zur
Folge hatte, daß Klinisch sich zu einigen Aende-
rungen bereitfinden ließ. Das neue Modell fand die
Zustimmung aller zuständigen Instanzen. Der Kaiser
aber, dessen Genehmigung zur Aufstellung aller Denkmäler
auf öffentlichen Plätzen in Berlin notwendig
ist, erteilte das >placet< nicht und wünschte eine
nochmalige Umarbeitung. Klimsch weigerte sich,
und die Stadt Berlin kam nun zu dem Entschluß,
das Denkmal auf privatem Grund und Boden aufzustellen
. Mit Freuden begrüßt man jetzt die Nachricht
, daß der Kaiser nunmehr doch noch — wie
es heißt, nach Vortrag von Geheimrat Waldeyer —
sein Urteil modifiziert und die Genehmigung nachträglich
erteilt hat. r. s.
p\ARMSTADT. Nun sind die für den Hochzeit-
*^ türm auf der Mathildenhöhe bestimmten Wandgemälde
, Stiftungen von Privaten, vollendet. Fritz
Hegenbart hat das sogenannte
>Zimmer des Großherzogs<,
Philipp Otto Schäfer das
der Großherzogin ausgemalt (s.
auch unseren Hauptaufsatz) und
da jeder Künstler einen reinen
und bestimmten Ausdruck seiner
Gesinnung und Persönlichkeit
zu geben bemüht war, sind
zwei Werke von stärkstem Gegensatz
der Wirkung und des
Inhaltes entstanden. Hegenbart
folgte ganz den modernen Anschauungen
der dekorativen
Kunst, Schäfer schuf ein Bild
im Sinne venezianischer Renaissancemeister
. Er deckte die
Wände des mäßig großen und
nicht eben hohen Raumes der
Großherzogin mit einer braunen
, geschnitzten Holzvertäfelung
und gab darüber am breiten
Fries die Darstellung einer
Hochzeitsfeier. Ein junges Paar
wechselt die Ringe, blumentragende
Putten stehen zur Linken
und Rechten, daran schließen
sich in ringsum laufender Säulenhalle
, die den Blick in die
Landschaft freigibt, mäßig bewegte
Figurengruppen, in Erwartung
des Festes oder mit Zu-
rüstungen dafür beschäftigt. Die
Farben sind schlicht und vermeiden
in dem lichterfüllten
Raum jede Aufdringlichkeit,
Braun und dunkles Rot herrschen
vor, nur selten blitzt einmal
ein heller Ton auf. Auch
die Komposition hält sich in
den Grenzen wohlerwogenen
akademischen Brauches. — Dagegen
ging Hegenbart schon im
ersten Gedanken des Entwurfes
auf eine enge Anpassung seiner
rein dekorativ gehaltenen Malerei
an die Größe und Gliederung
des Raumes als architektonische
Bildung aus. Er folgte
einem Wunsche des Großherzogs
, als er im Inhalt seines
Werkes den Sieg der rasch vor- ivan mestrovic
wärts eilenden Neuzeit über die alte darzustellen
versuchte. So sieht man auf den zwei in großen
Bogenlinien aufsteigenden gegenüberliegendenWand-
flächen zwei Ausführungen des gleichen Motivs: auf
Fabeltieren, einem Hirsch und einem Einhorn setzen
eine zierliche Frauengestalt (links) und ein jugendlicher
Krieger (rechts) über ein großes Schneckengehäuse
weg. Stilisierte Blumenranken rieseln über
die Gruppen und von ihnen herab und sie ziehen an
den Wänden hinauf zum Mittelpunkt der Decke, wo
der Name des Großherzogs als des Herrn des Raumes
in goldenen Initialen angedeutet ist. Die Farben
wurden in Rücksicht auf die durch niedere Fenster
unten spärlich einfallende Belichtung ganz hell ge-
wählt,Gelb und rötliches Braun heben sich vom lichtblauen
Grunde und einen sich in kraftvollem Zusammenklang
. Die Schmalwände überzieht ein Ornamentwerk
aus roten und blauen Mustern, dazu
stimmt die Färbung des Holzgetäfels darunter. Viel
Mühe und Enttäuschung, auch äußere Opfer sind
mit der Durchführung des Werkes für den Künstler
verbunden gewesen. Die Feuchtigkeit
des Mauerwerks hat die
erste Ausführung völlig zerstört
, es mußte mit der Arbeit
ganz von vorn begonnen werden.
Leider wird diese großangelegte
Malerei aber auch die erste und
letzte Schöpfung Fritz Hegenbarts
für Darmstadt bedeuten,
denn der Künstler wird schon
in allernächster Zeit wieder dauernd
nach München zurückkehren
, woher er vor anderthalb
Jahren gekommen ist. r.
PERSONAL- UND
ATELIER - NACHRICHTEN
OERLIN.Dem Bildhauer Hugo
Lederer ist der Professortitel
verliehen worden.
r\ÜSSELDORF. Im Auftrage
des Kunstvereins für Rheinland
und Westfalen schuf der
Maler Josse Goossens für das
Rathaus in Bergisch-Gladbach
ein großes Wandbild, die dermalige
Einführung der Fabrikation
des Büttenpapiers durch
die Holländer darstellend. Josse
Goossens, der aus der Schule
Ed. von Gebhardts und Claus
Meyers hervorgegangen ist,
längst aber eigene Wege wandelt
, ist eine der großen Hoffnungen
Düsseldorfs auf dem Gebiete
des monumentalen und
doch durchaus modernen Figurenbildes
. Für das Kreishaus
zu Tondern in Schleswig malt er
den Bau eines Nordseedeichs.
Er erhält für das 10 Meter lange
Bild 12000 Mark. g. howe
IS ARLSRUHE. Der Münchner
Bildhauer Georg Schrey-
ögg wurde als Nachfolger des
verstorbenen Prof. F. Dietsche,
als Professor und Lehrer der
Plastik an die Karlsruher Kunstgewerbeschule
berufen.
pfeilerfigur
Redaktionsschluß: 9. Februar 1909 Ausgabe: 25. Februar 1909
Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwärtz. — Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G. — Beide in München
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