Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 306
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MJA

den ersten Blick manche Schwierigkeit, da die Zeichnung
mit der reich-phantastischen Umrahmung sich keineswegs
dem ursprünglich ins Auge gefaßten Text unterordnet, sondern
eine lyrisch-dramatische Erzählung eigener Auffassung,
also poetische Neuschöpfung bildet.

„Epithalamia" — Hochzeitsgesänge — hat der Künstler
das Werk genannt, als er den Titel von Apulejus' Märchen
aufgegeben hatte. Mit dem antiken Hymenäus, der uns in
Catulls Buch der Lieder in zwei liebenswürdigen Gelegenheitsdichtungen
erhalten ist, berührt sich aber die Klinger-
sche Schöpfung ihrem Sinne nach in keinem einzigen Blatte.
Das lehrt schon ein flüchtiger Ueberblick über das Ganze.
Zunächst lassen sich nämlich die Blätter der älteren Folge —
also die, welche zeichnerisch Klinger auf der höchsten Höhe
seiner Kunst erscheinen lassen ■— zu zwei Gruppen zusammenfassen
, die der Künstler selbst als erstes und
zweites Intermezzo bezeichnet — dieses Wort, dessen Bedeutung
wir schon aus den radierten Zyklen unseres Meisters
kennen, nicht im modernen Sinne verstanden, sondern
etwa so, wie es die italienische Renaissance auffaßte: als
eine selbständige, dramatische Schöpfung, die von dem einen
Teile eines Dramas zum andern überleitet. Nachdem in
einer (aus dem Jahre 1880 stammenden, ursprünglich wohl
für das Werk nie bestimmt gewesenen) Vignette des Vorblattes
Amor auf Mädchen, die festgebunden ihres Geschickes
sich nicht zu wehren vermögen, seine sichertreffenden
Pfeile absendet, wird in dem ersten (später entstandenen)
Blatte das große Thema von der ewigen Bedeutung der
Liebe als zeugenden Naturkraft in allgemeiner Form behandelt
. Das erste Intermezzo beschäftigt sich mit dem
Thema „Aus Amors Kriegen", doch ist meiner Meinung
nach trotz des mythologischen Hauches, der Figuren und
Landschaft umweht, an einen bestimmten mythischen Vorgang
nicht zu denken. Es sind vielmehr genrehafte Szenen,
Verallgemeinerungen aus dem Liebesleben, welche die Taten
Amors als eine alle Zeiten beherrschende Macht darstellen.
In den Dresdener Blättern der älteren Folge liegt der

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M. KLINGER

AUS DEN

Mit Genehmigung der Kunstverlagshandlung Amsler & Ruthardt, Berlin

.EPITHALAMIA"

306


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