Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 311
(PDF, 162 MB)
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^3ö> HANS VON MAREES'LERN-UND LEIDENSJAHRE IN ITALIEN <^-^

und Eduard und Johanna Arnhold in Berlin),
deren ganze Schönheit nur in den auf altes
Aktenpapier hergestellten, sehr seltenen Probedrucken
des Künstlers genossen werden kann,
auch nicht mit den großen Radierungen der
Zyklen verglichen sein, die schon um ihres
gedanklichen Gehaltes willen eine tiefergreifende
Sprache reden, so bilden sie doch ein
schönes Zeugnis dafür, wie der Meister immer
auch noch eine lyrisch-elegische Tonart möchte
ich sagen mit Glück anzuschlagen weiß. Zeichnerisch
sind alle Blätter etwa mit einer Ausnahme
von gleicher Schönheit in der Linie,
wenn sie auch in der Sicherheit des Konturs
nicht so hoch stehen wie die vor fünfundzwanzig
Jahren entstandenen Radierungen.
(Der Schluß folgt)

„Die Kunst ist halt doch eine eigene Sache, am
Ende ist sie gar kein Prinzip, keine Theorie, sondern
eine Lebensäußerung, die an Persönlichkeiten gebunden
ist und nur durch Persönlichkeiten am Leben
erhalten werden kann." Hans Thoma

m. klinger

HANS VON MAREES' LERN- UND
LEIDENSJAHRE IN ITALIEN

Von Georg Winkler
(Schluß)

Das aber war die Katastrophe. Denn was
der unglückliche Künstler zu schicken hatte
- zwei unvollendete Bilder — mußte nach
seiner eigenen Bitte aller Welt verborgen
bleiben, um ihn nicht in Mißkredit zu bringen.
Die Begleitbriefe zu diesen Bildern, welche
als verunglückte Experimente in dem Zimmer
des Sekretärs des Grafen aufgehängt wurden,
sprechen eine so deutliche und zugleich herzbewegende
Sprache, daß sie trotz ihrer Länge
ungekürzt hierhergesetzt werden sollen:

Rom, den 20. Juli 1868.
Hochgeehrter Herr Baron!
„Sie werden nun die betreffenden Bilder erhalten
haben oder doch dieser Tage erhalten.
Dies muß ich noch zu guter Letzt ertragen,
daß man mich nach diesen Resultaten
des Zwanges be- und verur-
theilen wird. Da ich von Anfang an
mein Verhältnis zu Ihnen nicht als
ein geschäftliches betrachten konnte,
sondern vielmehr als eine mir von
Ihnen gütig dargebotene Gelegenheit,
mich zum Künstler auszubilden, so
läßt sich auch die Grenze meiner
Verpflichtungen gegen Sie nicht feststellen
. Hätten Sie mich für einen
Künstler gehalten, so würden Sie mir
wahrscheinlich ganz bestimmte Aufgaben
gestellt haben unter ganz festen
Bedingungen. Sie haben ganz recht
gethan, denn von Jemanden, der nichts
kann, ist es ja nicht festzustellen, was
er leisten wird. Zu spät habe ich indessen
eingesehen, daß diese meine
Auffassung nicht Ihren Wünschen
entsprach und so bin ich denn in
Teufels Küche gerathen, ehe ich mich
dessen recht versehen hatte. - - Mein
Thun und Treiben bedürfte an und
für sich gewiß nicht einer Entschuldigung
. Denn insofern es bezüglich
einer angenehmen ja nur möglichen
Existenz thöricht war, habe ich das
auch selbst zu tragen; inwiefern es
in künstlerischer Hinsicht löblich und
vielleicht nicht unverständlich war,
wird, wenn ich lebe, die Zukunft beweisen
. Man hat Ihnen Mittheilungen
über mich und meine Leistungen gemacht
, die nur sehr bedingungsweise
galathee wahr zu nennen sind. Das ist für

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