Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 336
(PDF, 162 MB)
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-*=4^> MAX KLINGER <^-b~

G. SCHADOW

FÜRST LEOPOLD VON DESSAU (ZEICHNUNG)

Modell auf frühere Jahre zurück, andere
wieder, die man seit Jahren im Gipsmodell
im Atelier stehen sieht, sehen ihrer Ausführung
in Stein oder Bronze noch entgegen
. Auch einige Denkmalsentwürfe befinden
sich unter ihnen, so das für Wien geplante
Brahmsdenkmal, das Modell bleibt, der
Richard Wagner für Leipzig und der Brahms
für Hamburg, der in Seravezza-Marmor ausgeführt
, Ende Dezember 1908 vollendet und
einige Tage im Atelier des Künstlers öffentlich
ausgestellt wurde, bevor er an seinen Be-
stimmungsort(dieLaeisz-Halle in Hamburg) abging
. (Abb. S. 300). Das LeipzigerWagnerdenk-
mal, für das Laaser Marmor wegen seinerWetter-
beständigkeit gewählt wird, ist durch Abbildungen
bereits vielfach bekannt geworden.
Seine Wirkung beruht auf der Schlichtheit
der Auffassung und der Geschlossenheit der
Masse — die mächtige (im Verhältnis zu
Wagners Körpergestalt ins Riesenhafte gesteigerte
) Figur ist mit einem schweren Gewandstück
bekleidet, der rechte Arm ist gesenkt,
der linke, im Ellbogen gebeugt, liegt am Körper

an, als Sockel ist ein schlichter,
quadratischer, vielleicht mit Reliefs
zu ornamentierender Unterbau gedacht
. Das Streben, die Vertikale
zu betonen und durch die einfachsten
Mittel desplastischen Aufbaues
zu wirken, ist unverkennbar. Die
Studien für den Kopf hat der Künstler
für eine weit überlebensgroße
Marmorbüste verwendet,die in ihrer
großzügigen Behandlung der Liszt-
Büste des Leipziger Gewandhauses
zur Seite zu stellen ist. Einen verwandten
Zug mit diesem Wagner-
Entwurf hat dasHamburger Brahms-
monument, so sehr dies auch im
übrigen durch eine Steigerung ins
Malerische und Barocke sich von
plastischer Schlichtheit entfernt.
Zum Verständnis der Komposition
muß vorausgeschickt werden, daß
das Wagnerdenkmal für die Aufstellung
im Freien, das Brahms-
monument, das ursprünglich als
Hermenfigur gedacht war und sich
in seinem plastischen Aufbau von
dieser aus erst entwickelt hat, für
einen Konzertsaal bestimmt ist —
hier, wo Klänge und Melodien in
der Phantasie des Zuhörers sich zu
lebensvollen Gestalten verdichten,
hat man sich das riesige Marmorwerk
umrauscht von einer Welt von
Tönen vorzustellen, in deren Mitte
der Meister steht im Gefolge seiner Genien und
emporgehoben in höhere Sphären, in die die Begeisterung
auch den andächtigen Bewunderer
seiner Lieder führt. Wie bei Wagner flutet von
seinen Armen ein schweres Gewandstück herab,
aber das statische Moment, das dort so imposant
wirkt, wird hier aufgelöst durch die malerische
Angliederung von drei weiblichen und einer
männlichen Figur. Die eine von ihnen hat sich
von hinten emporgeschwungen, neigt das Haupt
dem des Meisters zu und reicht ihm die Rechte,
seine Finger leicht berührend — es ist seine
Muse, die, wie es bei Michelangelos Adam der
liebe Herrgott tut, den sprühenden Lebensfunken
des Genius in die Adern des Meisters
hinüberströmen läßt. Zwei andere prachtvolle
weibliche Gestalten schmiegen sich an diese
Gruppe an, ein herkulisch gebauter Mann,
dessen Oberkörper gleichsam aus den Fluten
auftaucht, scheint das Ganze mit kraftvollen
Armen zu stützen — gedanklich eine Paraphrase
Brahmsscher Musik, wie sie in einzelnen
Radierungen der „Brahms - Phantasie"
wiederklingt, ein Werk echt Klingerscher Phan-

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