Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 339
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-^=4^> MAX KLINGER <^r?-

(Abb. S. 312) zu sehen, jene auch in der
künstlerischen Auffassung nicht recht erfreulich
und wegen der Polierung des Marmors,
die vermutlich zur Charakterisierung der Individualität
mit Absicht gewählt worden ist,
in ihrer Wirkung nicht zu Herzen sprechend,
die Wundt-Büste dagegen meisterhaft in ihrer
stark impressionistischen Formgebung, die an
Rodin erinnert, aber trotz alles Skizzenhaften
die geistige Größe des Dargestellten ahnen
läßt. Denn, wenn je von einem Porträtbildner
der Satz gegolten hat, daß bedeutende Persönlichkeiten
die Voraussetzung sind, damit
ein bedeutendes Werk entstehen könne, so
gilt er von Klinger. Die Darstellung des
Kongenialen, das er in anderen Menschen erkennt
, gelingt ihm am besten. Deshalb sind
die Büsten von Liszt, von Nietzsche und Richard
Wagner Meisterwerke, aus denen Größe
der Taten und Leistungen hervorleuchten.
Sie sind von der Leidenschaft des Genies
geboren und erfüllt. Die Büsten von Wundt
und von dem Leipziger Historiker Karl Lamprecht
, diese ausgeführt aus Anlaß der Vollendung
der bekannten vielbändigen „Deutschen
Geschichte" des namhaften Gelehrten,
schließen sich würdig an. Die Büste Wundts
ist von dem Künstler nach neuem Modell auch
in Marmor ausgeführt und jüngst in Leipzig zum
ersten Male ausgestellt worden, und hier —
bei der Gegenüberstellung der Bronze- und
der Marmorbüste — zeigte sich, daß infolge
des Zwanges auf das Skizzenhafte, das in
Bronzeguß möglich ist, zu verzichten und
mehr Nachdruck auf die Detailbehandlung im
Stein zu legen, auch das Individuelle der Porträtzüge
gewonnen hatte. Vom ästhetischen
Standpunkt aus betrachtet ist es sehr erfreulich
, daß Klinger das Modell für den Bronzeguß
von dem für die Ausführung in Marmor
streng getrennt hat. Denn die Grenzen der
Guß- und Steintechnik fließen nicht ineinander
über, wie viele moderne Künstler erfahrungsmäßig
immer noch glauben. Die Antike
besaß in dieser Beziehung eine viel größere
stilistische Feinfühligkeit, insofern sie Bronze-
und Marmorarbeit streng auseinander hielt, da
die künstlerische Wirkung in beiden Fällen eine
verschiedene Formgebung voraussetzt. Diese
Ueberzeugung ist es auch, die — beiläufig bemerkt
— Klinger veranlaßt hat, den Kopf des
in Marmor ausgeführten badenden Mädchens
für die Metallwirkung in einem neuen Modell
formell umzuarbeiten. Er befindet sich im Besitz
des Herrn Carl Oehlmann in Leipzig. Während
die seit einigen Jahren in kleinen Bronzekopien
in den Handel gelangenden Figuren der
Salome, der Kassandra, des badenden Mädchens
und jüngst auch des Torso vom Beethoven
, so meisterhaft auch diese Nachbildungen
im Gusse sind, im vollsten Widerspruch zu
dem strengen Prinzip der Antike und im stilistischen
Gegensatz zu den Originalarbeiten
stehen.

Zu den vorstehenden Beobachtungen möchte
ich noch ein kurzes Schlußwort fügen. Ich
deutete schon oben die Gründe an, daß bei
Besprechung Klingerscher Kunst gerade jetzt
eine gewisse Zurückhaltung angezeigt ist, weil
schon die nächste Zukunft uns Werke bringen
kann, die eine Seite von Klingers Kunst in
neuem Lichte erscheinen lassen werden. Und
doch habe ich versucht, zu dem unsagbaren
Vielen, das über den Künstler geschrieben
worden ist, gerade jetzt diese Zeilen hinzuzufügen
? Ich bin hierbei von folgender Erwägung
ausgegangen. Klinger ist ein Künstler
, dessen Beurteilung durch neue Werke,

G. SCHADOW

DIE HOFFNUNG

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