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-^=4^> MAX KLINGER <^=xp-
die uns sein Genie schenkt, wohl auf eine
breitere Basis gestellt werden, nie aber grundsätzlich
eine Umgestaltung erfahren kann. Der
titanenhafte Zug seiner leidenschaftlichen
Natur, die ringend und kämpfend sich von
Jahr zu Jahr gefestigt und zu höheren Zielen
hindurchgearbeitet hat, gibt uns die Hoffnung,
daß sein Genius sieghaft seiner Vollendung
entgegengeht, trotz der Mahnung des Sängers
der göttlichen Komödie, daß kein Künstler je
sein letztes Ziel errang. Was er für die deutsche
der seine Berechtigung hat. Was ist es aber
anders, als ein Herzenserguß, wenn man persönlich
das Glück genießt, zwanzigjahrelang Zeuge
zu sein, wie große Dinge in einer stillen Künstlerwerkstatt
sich vorbereiten und vollendet werden
, wie das Genie die ihm zugewiesenen Bahnen
durchläuft und verschwenderisch seine
Gaben über uns ausbreitet? Ist es verwegen,
unter solchen Umständen sich einmal von der
Seele zu schreiben, was das Herz tatsächlich
alseinen Gewinn des eigenen Lebens empfindet?
g. schadow
grabmal a. f. büsching
Georgenkirchhof zu Berlin
Kunst bedeutet, was er unserem Volke im
Laufe der letzten zehn Jahre geworden ist,
das ist schon jetzt in festen Umrissen fixiert
trotz aller Anfeindungen, die ihn nie berührt
haben, aber auch ohne Hilfe der glühenden
Ergüsse in Lobpreisungen, die er bestenfalls
als eine Liebenswürdigkeit mitfühlender Seelen
empfindet. Was er unserem Volke sein wird,
auch darüber können wir das Urteil getrost
der Zukunft überlassen. Wenn ich so Klingers
Bedeutung mir vergegenwärtige, so können wohl
diese Zeilen als ein Herzenserguß passieren,
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
OERLIN. Zu Franz Skarbinas sechzigstem Ge-
burtstage hat Caspers Kunst-Salon eine umfangreiche
Ausstellung von Werken des Künstlers veranstaltet
. Meist Bilder kleinen Formates, die alle
Qualitäten des feinen Malers erkennen lassen. Ohne
Menzel ist Skarbina nicht möglich; sicher wird ihm
vielfach daraus ein Vorwurf gemacht. Daß ein Vergleich
mit dem Großen ihm nicht zum Vorteil gereichen
kann, ist klar, — aber ist es denn unumgänglich
nötig, jegiiche Tradition auszuschalten? Daß
man trotz der Anlehnung an einen Größeren ein
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