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-=5=43ö> VON AUSSTELLUNGEN PERSONAL-NACHRICHTEN <^5^
haus zum erstenmal der Oeffentlichkeit zugänglich
gemacht ist. Eine Gewalt spricht aus ihm, eine Größe
der Auffassung und Intensität der Darstellung, der
Kraft und Bewegung, die geradezu hinreißt und
überwältigt. Diese Schlagkraft des Eindruckes aber
wird bedingt durch den ideellen und seelischen Gehalt
des Bildes, das in nur wenigen Figuren die
ganze Summe der Gefühle von in grimmem Hasse
gegen einen sie unterdrückenden Feind sich aufbäumenden
, für Vaterland und Freiheit in den Kampf
sich stürzenden Männern zu plastischer Darstellung
bringt. Sie wird aber auch bedingt durch die formalen
Qualitäten des Werkes: durch >diesen einfachen
, schweren, eindrucksmächtigen« Rhythmus,
diese so sehr bewußte und konsequente Realisierung
eines unerhörten Wollens, diese »herbe Linien- und
Farbengebungt und — nicht zuletzt — diese »ungeheure
Geschlossenheit und Wucht«.
Wie diese Truppen marschieren, so marschieren
alle von wildem Haß gegen ihren Unterdrücker beherrschten
, für Vaterland und Unabhängigkeit in
den Kampf ziehenden Truppen. Und wie im Vordergrunde
drei Krieger sich aufs Pferd schwingen, ein
vierter voller Eile seinen Tornister überwirft, ein
fünfter hastig in seinen Waffenrock fährt und ein
sechster endlich seiner ungeheuren Begeisterung
Luft macht, das sind äußere und seelische Bewegungen
, wie wir sie in jedem Freiheitskampfe, der
unter denselben Verhältnissen statthat, wiederfinden
und die in ihrer Typisierung
durch den
Künstler mit der
ganzen Wucht allgemein
gültiger Gesetze
wirken.
Das Bild wird zusammen
mit drei vortrefflichen
Studien zu
zwei aufbrechenden
Kriegern, die mit ihm
zugleich ausgestellt
sind, von hier aus an
die BerlinerSecession
und erst von dort an
die Jenenser Universität
gelangen.
Dr. S. Markus
PERSONAL-
NACHRICHTEN
A/I ANNHEIM. Als
Leiter der neuer-
richteten„Srä(if/sc/!£n
Kunsthalle" in Mannheim
wurde der Assistent
des Städelschen
Instituts in Frankfurt
a. M. Dr. Wit-
ting vom Mannheimer
Stadtrat berufen.
MÜNCHEN. Anläßlich
des88. Geburtstages
des Prinzregenten
ist dem Bildhauer
Georg Römer
und den MalernTHEO-
dor Hummel und
Wilhelm Räuber
der Professortitel verliehen
worden.
FELIX SCHADOW vss GOTTFRIED SCHADOW IM ATELIER
JV/l ÜNCHEN. Am 7. März ist hier Professor Alois
*** Hauser, Konservator der kgl. bayerischen
Zentral-Gemäldegalerie gestorben. Seit 1875 Restaurator
an der Alten Pinakothek, ist sein Ruf als
Bilderrestaurator weit über die Grenzen seines
Reiches hinausgedrungen. Durch die jahrelange
intimste Beschäftigung mit den Meisterwerken der
Kunst erlangte er neben hervorragenden maltechnischen
Kenntnissen auch eine Beurteilungsfähigkeit
klassischer Malerwerke, die ihm in zahlreichen
Fällen die Berufung zum Sachverständigen
eingetragen hat. Seine langjährigen Erfahrungen
hat er in einem im Verlag von Georg Hirth in
Münchenerschienenen Buche >AnleitungzurTechnik
der Oelmalerei« zusammengefaßt.
TDARIS. In Neuilly bei Paris ist der Bildhauer
^Alexander Charpentier im Alter von 53Jahren
gestorben. Er ist als einer der vornehmsten Vertreter
der modernen französischen Medaillen- und
Plakettenkunst bekannt. Auch unsere Zeitschrift
hat in ihrem diesem Gegenstand gewidmeten Aufsatz
(Jahrgang 1907/8, Seite 201) eine Anzahl seiner
Werke, die sich durch großartigen Realismus und
höchst persönlichen Stil auszeichnen, wiedergegeben.
Auch außerhalb dieses Gebietes war der Meister
tätig, man verdankt ihm eine Reihe anderer größerer
plastischer Arbeiten und auch den gewerblichen Künsten
hat ersieh mit bedeutendem Erfolge zugewandt.
GESTORBEN: In
Wien in ihrem
34. Lebensjahre die
Malerin Frau Hermine
Heller-Oster-
setzer. — In Rom
der Archäologe Pompeji
- Forscher August
Mau, der noch
vor wenigen Monaten
eine neue Publikation
>Pompeji in Leben
und Kunst« hat
erscheinen lassen; in
Paris der bekannte
Karikaturist Caran
d'Ache im Alter
von 49 Jahren; in
Brüssel die Tiermalerin
Henriette
Ronner im Alter von
70 Jahren; in München
, nur 33 Jahre alt,
der Maler und Zeichner
August Geigen-
berger, ein geschätzter
Mitarbeiter
der >Jugend«; in Berlin
am 19. März der
Bildhauer Ferdinand
Lepcke im Alter
von 42 Jahren,
Schöpfer des Berliner
Rückertdenkmals wie
verschiedener anderer
Denkmäler, Monumentalbrunnen
,
Bildnisbüsten (s. auch
unsere Abbild. S. 77);
in Weimar der Porträt
- und Landschaftsmaler
Gustav Mah-
renholtz.
Redaktionsschluß: 16. März 1909 Ausgabe: 1. April 1909
Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwärtz. — Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G. — Beide in München
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