Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 348
(PDF, 162 MB)
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DIE AUSSTELLUNG DER K. AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN

gers Brahms. Ein paar köstliche kleine Tiergruppen
von August Gaul reihen sich würdig
den älteren Bronzen des Künstlers an. Bei
den Bibern (Abb. S. 358) vor allem ist durch
prächtige Materialbehandlung eine vorzügliche
Charakteristik gelungen, eine — bei aller Stilisierung
— unendlich lebendige Typik der Bewegungen
.

Unter den Gemälden ragen einige glänzende
Porträtleistungen hervor. Man kennt Anders
Zorn als einen der besten Porträtisten unserer
Zeit. Zwei Bildnisse, die ergeschickthat, zeigen
ihn auf seiner ganzen Höhe. Das eine (Frau A.
Wallenberg aus Stockholm) gibt das Bild einer
stattlichen schönenFrauinGesellschaftstoilette.
(Abb. S. 354). Ein schwarzes Kleid, mit wenigen
bunten Pailletten besetzt, und ein dunkelblauer,
fast schwarzer Hintergrund bilden eine raffinierte
Folie für das leuchtende Inkarnat. Das
einzige, was an Farbe im Bilde ist und was
doch mit seiner Brillanz das Ganze farbig
macht, ist ein Rubin auf dem Ring der linken
Hand, die sich auf einen grünen Sessel stützt.
Das andere Porträt stellt des Künstlers Gattin
dar (Abb. S. 353) in rotem Mantel und roter
Mütze, auf dem Schoß einen kleinen Hund
haltend. Eine ungemeine Körperlichkeit und
eine seltene psychische Klarheit hat der Maler
in dies Bildnis gebannt. Als farbiges Pendant
dazu hängt ein Kinderporträt von Artur
Kampf (Abb. geg. S. 345). Wie dieser blonde
Junge in seinem roten Anzug und der roten
Mütze da auf dem großen Stuhl sitzt und
erwartungsvoll staunend in die Welt guckt,
die Hände krampfhaft auf den Sitz gepreßt,
das ist ausgezeichnet beobachtet, daraus spricht
eine Liebe zum Objekt in psychologischer
Hinsicht, das ist wirklich ein Porträt um des
Porträtierten willen, nicht nur um des farbigen
Eindrucks, um des optischen Zusammenstimmens
farbiger Werte halber. Das Porträt
des Architekten Meerwein von Hugo Vogel
ist von großer Lebendigkeit — nicht ganz auf
der gleichen künstlerischen Höhe will uns
das Bildnis von des Künstlers Gattin scheinen.

Wie eine Reminiszenz an die englische Ausstellung
weht es durch das lebensgroße Porträt
einer Dame in graublauem Kleide vor
grüner Parklandschaft von Franz Skarbina;
hier aber hat den Künstler die Kraft zur
Monumentalität verlassen, es ist in den Dimensionen
völlig vergriffen (Abb. S. 361). Worin
Skarbinas Stärke liegt, zeigt er in dem kleinen
Bilde daneben, der von Menschen bevölkerten
abendlichen Strasse mit den fein wiedergegebenen
Beleuchtungseffekten der Laternen.
Den Porträtisten Sargent lernen wir diesmal
von einer anderen Seite kennen: als vorzüglichen
Interieurmaler. Erstaunlich fein sinddie
Töne in seiner „Trattoria" (Abb. S. 3b5) abgestuft
, prächtig die lebensvollen Mädchenfiguren
in den Raum hineingesetzt, das Ganze
von einer eminent plastischen Wirkung. Aus
dem Porträt eines botanisierenden Geistlichen
hat er ein Stilleben vollendetster Art gemacht
Abb. S. 357). Von Eduard von Gebhardt ist
eine Gruppe aus der „Taufe im Jordan" ausgestellt
(Abb. S. 347), die des Künstlers beste
Qualitäten aufweist und einen reineren Genuß
bietet wie manches große figurenreiche
Historienbild. (Meisterhaft übrigens der Huflattich
in der linken Ecke!) Unter den Landschaften
befindet sich allerlei Gutes. Voran
zwei Gemälde von Oskar FrenzcI. Eine in
klaren kalten Tönen gehaltene Weidelandschaft
und ein „Oktoberabend" (Abb. S. 352), in dem
ein goldener Abendhimmel sich in einem von
stumpf-grauen Bäumen umstandenen Wasser
spiegelt. Otto H. Engel bringt seine übliche
friesische Dorfstraße mit der üblichen Perspektive
. Alles ausgezeichnet bis auf die völlig
leblosen, allzusteifen Figuren. Der staffagelose
Bauernhof mit den verschnittenen Hecken
und den hohen Baumgruppen dagegen zeigt sich
als eine ausgezeichnete Leistung. Hans vonBar-
tels hat neben einem wild zerrissenenNachthim-
mel über der Zuyder-See (Abb. S. 359) ein kleines
, aber koloristisch sehr feines Bildchen ausgestellt
: Eine holländische Alte, die in einem
mit roten Fliesen belegten, von rotem Feuerschein
durchglühten Räume am Herde sitzt
und sich die Hände wärmt. Ebenfalls nach
Holland führt uns Hans Herrmann. Er weiß
dieser wasserreichen Atmosphäre immer neue
Tonfeinheiten abzugewinnen. Mit verschwimmenden
Umrissen stehen die Häuser und die
große Kirche von Dordrecht gegen den grauen
Himmel, während vorne vor der Fähre buntgekleidete
Frauen als kräftig leuchtende Farbflecke
dagegengesetzt sind.

Während Friedrich Kallmorgen in einem
koloristisch feinen Bilde ein groß gefaßtes
Motiv von der Zuyder-See mit gewitterschwangeren
Wolken gemalt hat, stellt sich eine
Strandszene von Gregorvon Bochmann (Abb.
S. 355) als das typische Düsseldorfer Genrebild
dar. Bei guten malerischen Qualitäten
wirkt es unruhig; es verlangt bis ins einzelne
durchbuchstabiert zu werden, läßt aber auch
dabei fast ganz im Stich. Liebermann hat
neue „Reiteram Meere"geschickt(Abb.S.360),
ein Werk, das die oft gerühmten großen malerischen
Qualitäten der früheren ähnlichen
Darstellungen in noch gesteigertem Maße
aufweist. Ein feines Kabinettstück ist der
„Zimmerplatz in Ahlbeck" von Albert Her-

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