http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0420
DIE AUSSTELLUNG DER K. AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
tel (Abb. S. 355), bereits im Jahre 1896
entstanden. Diesem in ruhigen, zusammenschließenden
Tönen gehaltenen Werkchen diametral
entgegengesetzt ist ein Bild von Uhde,
das in saftigen, kräftigen Pinselstrichen das
wirre, flimmerndeLicht eines warmen Sommernachmittages
in seiner vollen Unruhe wiedergibt
. Von ähnlichen Tendenzen ausgehend,
aber mit völlig anderem Stimmungsgehalt und
gänzlich anderer Palette hat der Spanier Vil-
legas das Innere eines von violettem Licht
durchfluteten, mit roten Geranien besetzten
Treibhauses gemalt. Eine ausgezeichnete Raumwirkung
ist ihm dabei gelungen. Farbig nicht
so interessant zeigt sich seine gut bewegte,
sitzende Carmen (Abb. S. 346).
Das einzige große Historienbild der Ausstellung
hat Ernst Hildebrand geschickt.
Eine gewaltige KreuzigungChristi(Abb. S. 356).
Unsere Zeit hat verlernt, mit der Komposition
als bestimmenden Faktor eines Kunstwerkes
zu rechnen; drum wird dies mit seiner
mächtigen Diagonalsteigerung sehr gut komponierte
Werk im allgemeinen ziemlich kühl
lassen; allerdings darf man nicht verschweigen
, daß es farbig nicht befriedigt; das Kolorit
ist hart, ohne jede Transparenz.
Es ist schade, daß wir an dieser Stelle nicht
auch eingehender von der dritten künstlerischen
Betätigung der Akademie, von der Architektur
, sprechen können ; sonst wäre hier manches
Nennenswerte herauszuheben. Wir müssen
uns damit begnügen, zu registrieren, daß
unter ausgeführten Modellen und Plänen die
Namen March, Schwechten, von Seidl,
von Thiersch und Hocheder stehen.
GEDANKEN ÜBER KUNST
In jedem guten Porträt muß etwas von Karikatur
Stecken. Ingres
*
Menschen, die keine Phantasie besitzen, müssen
notwendig engherzig sein; es fehlt ihnen die Möglichkeit
, sich in fremde Naturen und Zustände, zu
versetzen.
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