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DIE FRÜHJAHRSAUSSTELLUNG DER MÜNCHNER SECESSION
hans v. bartels
mondnacht an der zuyder-see
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin
DIE FRÜHJAHRSAUSSTELLUNG DER
MÜNCHNER SECESSION
Von Georg Jacob Wolf
\/on den Frühjahrsausstellungen der Münchner
* Secession konnte man sich früher stets eine
besondere Ueberraschung erwarten — zum mindesten
ein intensives Loswettern junger, unverbrauchter
Kräfte: oft war es wie der Tauwind, der segnend
oder verheerend daherfährt. Solche stürmische Bekanntschaften
machen wir heute nicht mehr: ich
will es nicht gerade beklagen, aber ich halte es doch
für nötig, die Tatsache zu konstatieren. Wird uns
heute irgend ein Neuer, ein Frühlingsmann vorgestellt
, so vollzieht sich das in den manierlichsten
Grenzen der Salonfähigkeit. Und zahlreiche alte,
»gewappelte« Herren stehen herum und sorgen dafür
, daß die bürgerliche Wohlanständigkeit gewahrt
bleibe. . . Vielleicht, so sage ich mir bei solchen Erwägungen
, bin ich blasiert geworden im Laufe eines
der kritisch-analysierenden Kunstbetrachtung gewidmeten
Jahrzehnts und die Schuld der >Nicht-Sen-
sationierungc liegt allein an mir; vielleicht. . .
Im übrigen halte ich weitere Reflexionen für zwecklos
und konstatiere und registriere im folgenden
leidenschaftslos die alten und die neuen Werte der
Münchner Secession.
Ein paar von den Führern haben sich eingestellt.
Fritz von Uhde variiert mit dem Bildchen >Nach-
mittagsonne« glücklich eines seiner Lieblingsmotive:
weißgekleidete junge, schlanke Damen promenieren
im grünen Garten. Auch Hugo von Habermann
gießt alten Wein in neue Schläuche: er paraphra-
siert sein altes Thema, das Weib, und zeigt, daß
er diesem Motiv malerisch stets neue Nuancen abzugewinnen
weiß. Amandus Faure, unser stets
willkommener Stuttgarter Gast, hat wieder Komödiantenmalereien
da: es ist das gewohnte tiefe Schwarzbraun
, das seine Bilder beherrscht, nur zuweilen
zuckt ein greller rembrandtischer Beleuchtungseffekt
auf, oder es platzt eine schrille Trikotfarbe aus dem
dunklen Ensemble los. Ein noch wenig bekannter
Künstler, Walter Schnackenberg, tut sich diesmal
energisch hervor. Die Porträtstudie einer ä la
Otero stilisierten Dame ist zumal in der Stoffmalerei
von unbestreitbaren Qualitäten, ein großes Figurenbild
> Am Toilettentisch«, ein Akt mit grünen Strümpfen
vor dem Spiegel, erscheint zahlreichen Besuchern
der Ausstellung als der >Clou«, und wie ein rich-
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