Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 361
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0433
^=4=ö> AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

seiner ebenso temperamentvollen als vornehmen
Kunst vertreten, Bauriedl mit einigen etwas ja-
panisierenden Aquarellen, Lamm-Muggendorf, der
Thoma-Jünger mit wuchtigen, aber allzu manierierten
Arbeiten, Pietzsch mit Sommerbildern aus dem
Isartal, Reiser mit Werdenfelser Landschaften.
Angerer, Giulio Beda, Piepho haben weiterhin
Beachtenswertes gesandt. Hans Borchardt begnügt
sich diesmal damit, Gewässer in dämmernden
, trüben, herbstlichen oder regnerischen Stimmungen
zu malen; Hübner und Hayek beschränken
sich auf den längst bekannten Kreis ihrer Motive.
Schramm-Zittau scheint seine Tiermalerei endgültig
an den Nagel gehängt zu haben; er malt wie
die französischen Impressionisten bunte, belebte
Stadtbilder. Sein Lieblingsrevier ist der bewegte
Münchner Karlsplatz: bei Schneegestöber und Tauwetter
hat er ihn dargestellt, und beide Bilder sind
vorzüglich geraten: nicht zuletzt durch die ganz ausgezeichnete
Wiedergabe der Luft und der Atmosphäre.
Auch einen Gast aus Paris habe ich zu erwähnen:
Paul Cezanne (1839—1906), den man zu den Vätern
des Impressionismus zählt. Die 13 Arbeiten seiner
Hand, die uns Dr. Meyer-Riefstahl in Paris besorgte
, erscheinen als schwere und fast naive
Malereien. Am ehesten findet man sich mit
den Früchtenstilleben ab, aber auch an ihnen
gingen wir wohl kopfschüttelnd vorbei, wenn
wir nicht wüßten, daß sie >Pionierarbeit< der
neuen Kunst bedeuten. Freilich — die Erben
haben heute die Ahnen des Impressionismus
an Eindrucksfähigkeit und Wirkungskraft schon
weit überboten, dafür ist uns auch dieses Segment
aus Cezannes Schaffen ein Beweis. —
Neben die Werke der Malerei treten zahlreiche
graphische Arbeiten, während die Plastik nur
durch einige dekorative Stücke vertreten ist.
Unter den Werken der Graphik ist das weitaus
am bedeutendsten und interessantesten,
was aus der Hand des kürzlich verstorbenen
Rudolf Wilke stammt. Er war ein Karikaturist
von unvergleichlicher Qualität, aber auch
wenn er den Realitäten des Lebens mit feinsinnigem
Stifte nachging, gab er eigenartig wirkungsvolle
Arbeiten Noch einem anderen
Toten, dem Karlsruher H. Braun, ist ein breiter
Raum in dieser Ausstellung eingeräumt.
Mit Pinsel, Feder, Stift und Kohle schuf er
originelle, reizvolle Zeichnungen. Hamburg
und seine alten Häuser hatten es ihm besonders
angetan, immer wieder hielt er diese malerischen
Erscheinungen fest. Von den Lebenden
haben Zügel und Habermann besonders
reichlich aus ihren Studienmappen und Skizzenbüchern
gespendet; Julius Diez gab die
farbengehöhten köstlichen Figurinen und Szenerien
zu »Maß für Maß« und >Was Ihr wollt«,
sowie die linear etwas herben Mosaikentwürfe
für die Dekorationen in den neuen Münchner
Universitätsbauten; Hans von Hayek hat
ganz ausgezeichnete, unmittelbare Zeichnungen
von einer bretonischen Studienreise da,
Pampel sehr frisch und lustig hingestrichene,
leise karikierende Buntstiftzeichnungen und
Obier technisch sehr interessante Porträt-
Federzeichnungen; auch Eugen Kirchner
gab von seinem Besten. Alois Kolb, Oskar
Graf und C. Th. Meyer-Basel vertreten
die verschiedenen Techniken der Radierkunst.
A. Thomann zeigt markige Originalholzschnitte
und der Wiener Hans Frank originelle
Farbenholzstiche mit dekorativen Tiermotiven
.

AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

Desonders der Kunstsalon von Cassirer bringt
wieder einmal viel des Interessanten. Eine große
Anzahl Zeichnungen von George Minne zeugt von
dem ungeheuren plastischen Empfinden des Künstlers
; es ist erstaunlich, wie die elementarsten Bewegungen
, ohne jede Süßigkeit und Schönheit, einen gewaltigen
Ausdrucksgehalt besitzen. Und dabei ist es
eine Kunst von höchster Sensibilität. — Brutal in der
Gegensätzlichkeit der Farbwerte erscheinen die Bilder
von theo von Brockhusen; Technik und Empfindung
wie ein Gemisch von Liebermann und van
Gogh. Rein stofflich ist hier nichts durchempfunden
, alles nur auf die äußerste Intensität der
Farbe abgestellt. Trotz der schlechten Zeichnung ist
aber vielfach eine große Raumwirkung erzielt. —
Fritz Rhein muß sicher zu den besten unserer
jungen Landschafter gezählt werden. Bilder wie die
Straße in Vlissingen mit ihrer lustigen Farbigkeit,
mit ihrem Ueberfluß an Sonne über den köstlichen
roten Dächern, oder wie die Bleiche mit ihren feinen
Abschattierungen, wie die Straßenperspektive mit

fr

anz skarbina damenbildnis
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin

Die Kunst für Alle XXIV.

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