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geistige Durchdringung und ein stark entwickeltes
Gefühl für Linienschönheit. Einzelne seiner hier
ausgestellten Landschaften besitzen einen sehr feinen
Stimmungsgehalt.
Bei Gurlitt stellen gemeinsam zwölf Stuttgarter
Künstler aus. Ihre Bilder rufen einen eigentümlich
einheitlichen Eindruck hervor durch eine fast durchgängige
Zurückhaltung in der Farbe. Bis auf Bernhard
Pankok, der mit frischen, leuchtenden Farben
ans Werk geht, haben sie fast alle eine stumpfe, etwas
kalkige Palette, dafür aber allerfeinste Tonwerte. Es
seien hier nur hervorgehoben die kleinen, auf delikaten
Abstufungen einer Grundfarbe aufgebauten Hafenbilder
von Carlos Grethe, die Putten und eine Märchendarstellung
von Chr. Landenberger, bei denen
es erstaunlich ist, wie kräftig doch die verhaltenen
Akkorde seiner Farben klingen, sowie das ganz prächtige
, breit hingestrichene Flußbild von O. Reiniger,
das eine überzeugende Lebendigkeit besitzt. Alfred
Schmidt operiert mit einer feinen Modulation blasser
Töne. — Von Hans Thoma finden wir zwei wundervolle
Flußlandschaften aus allerjüngster Zeit. Vor
allem köstlich ist ein weidenüberhangenes Wasser, in
dem die Reflexe der Morgenröte sich mit den graublauen
ziehenden Nebelstreifen vermischen. Wilhelm
Trübner bleibt bei seinen bekannten schlichten
Motiven der letzten Jahre (Hemsbach, Amor-
bach, Starhemberger See), in denen er sich aber
zu immer größerer plastischer Kraft und Raumwirkung
durchringt. r. s.
reinhold begas eva mit kain und abel
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
TD ASEL. In unserer Kunsthalle haben wir vor kur-
zem zwei gute Ausstellungen gehabt. Zunächst
gab's Bilder, die uns einige Schweizer Künstler genauer
kennen lehrten. Vor allem haben wir in Jakob
Herzog einen neuen Landschafter zu verzeichnen,
dessen Bilder von ungesuchter, schlichter Natürlichkeit
, voll Saft und Kraft sind; namentlich waren ein
paar Graubündnerszenerien von solcher erfreulichen
Manierlosigkeit. Auch Figürliches von Herzog war
Zeugnis für ein frisches, ernstes Talent. — Einseitiger
als Herzog, d. h. allzu absichtlich auf Linien-
und Flächenbehandlung abstellend, ist U. W. Züricher
; doch gelingt ihm einiges dekorativ Wertvolle.
Am unmittelbarsten, weil ungegrübelt einfach, gibt
sich der Maler in duftigen Aquarellen. — Eine Dame,
Paula Häberlin, geht mit Geschick und Geschmack
auf die Feinheiten von Licht und Farbe, namentlich
in hellen, groß aufgefaßten Figurenbildern, aus;
wir sehen, speziell in der Malerei aus Frauenhand,
nicht oft Größe und nobles koloristisches Empfinden
so angenehm vereinigt wie hier.
Sodann nahm — leider für allzu kurze Zeit —
>Die Walzen, d.h.der >Verein schweizerischer graphischer
Künstler<, die Räume der Basler Kunsthalle
in Anspruch. Die Schweiz nennt einige der besten
deutschen Graphiker die ihrigen. Man denke nur
an Albert Welti, der mit seinem so
reichen Blatte >Der Ehehafen< wieder
alle Freunde seiner Kunst anzog; immer
wieder findet man neue entzückende
Motive und Szenchen : Lebensfülle ohnegleichen
, durch ein Temperament angeschaut
, ein so rein künstlerisches und
unverfälscht schweizerisches Tempera-
mentwie dasjenige Albert Weltis.—Dann
ist Carl Theodor Meyer-Basel wegen
seiner Radierungen und farbigen Lithographien
ebenfalls weit herum bekannt,
findet sich doch in ihnen ein ehrlich realistischer
Sinn für das Tatsächliche mit einer
eigenartig poetischen Auffassung eng
verbunden.—Auch Ernst Kreidolfist
ein Schweizer. Wer macht gegenwärtig
schönere Bilderbücher als er? Seine
»Sommervögel« sind wohl unstreitig das
zartest dekorative, auch das lebendigst
anthropomorphisierende Tierbuch der
Welt. Erwar in der Ausstellung mit einer
delikaten Farbstiftlandschaft und mit einem
reizvoll poetischen Blatte >Schlaf,
Kindlein schlaf«, einer schlichten Dreifelderkomposition
aus seiner eigensten
naiven Welt, vertreten. AdolfThomann,
der Tiermaler, gab einfache breite, helle
schwarz-weiße Holzschnitte (Walliser-
szenen); von Otto Gampert, dem in
Stäblis Fußstapfen wandelnden bedeutenden
Landschafter, waren weiche, in
den Linien wie in den Licht- und Schattenmassen
gleich ausgezeichnete, im
besten Sinn bildmäßig wirkende Radierungen
zu sehen. Ganz klare, räumlich
prächtig gelungene Landschaften
bot Plinio Colombi, der Berner Hellmaler
, der sich, bei aller Vorliebe für
Hodler, nicht in den Troß von dessen
Nachahmern begeben hat. — Von Hans
Beat Wieland war der farbig so groß
und einfach gefaßte Steindruck >Eiger,
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