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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^M?~
lung« in Venedig beschicken wird. Diese Auswahl
aus Stucks Gesamtwerk ist nicht nur mit erstaunlicher
Geschicklichkeit, sondern auch mit raffiniertem
Geschmack erfolgt, so daß der Künstler damit
nicht nur neue Freunde werben, sondern auch alte,
die sich durch seine nervöse Experimentierwut
abgestoßen fühlten, zurückerobern wird. Es sind
da einige Hauptwerke des Künstlersaus seiner früheren
Arbeitszeit: die tiefergreifende >Kreuzigung< und
die imposante > Vertreibung aus dem Paradies«, ebenso
eine gute Replik der »Erinnyen«, dann jene ausgezeichneten
kleineren Stücke mit Szenen und Episoden
einer heiteren Faunen-, Kentauren- und Nymphenwelt
, welchen Stuck seine ungewöhnliche Popularitätverdankt
. — Mehrere Werke, die in den Jahren 1908
und 1909 entstanden, sieht hier die Oeffentlichkeit
zum erstenmal. Sie haben wie alles, was Stuck in
den letzten fünf Jahren malte, einen energischen
Stich ins Dekorative. Im Kolorit sind sie heller
und bunter; ganz leicht und dünn, fast unsubstantiell
sitzt die flockig aufgetragene Temperafarbe auf
der Leinwand. Stilistisch sind sie streng-linear, stark
komponiert, raumproblematisch überraschend eigenartig
. Im Stil wie in den Motiven herrscht eine
starke Inklination zur Antike, namentlich an Pompeji
und seine Wandgemälde fühlt man sich zuweilen
erinnert. In der derben Lebensfreude,
in dem Vergnügen am üppig-reifen, nackten
Frauenkörper, welche Stuck aus
seiner früheren Zeit als verbindendes
Glied mit herübernahm, gleicht er zuweilen
dem großen Lebens- und Malerfürsten
Peter Paul Rubens. — Selig taumelt
auf diesen Bildern ein Frühlingszug
nackter und halbnackter Männer
und Frauen ins Land, Faune und rosige
Nixen scherzen, eine schöne nackte Frau
— Andromeda — wird von einem ritterlichen
Perseus befreit (dieses Stück trägt
an sich viele Merkmale barocker dekorativer
Kunst); endlich die Familie des
Künstlers und er selbst (ein bißchen
Velasquezmaskerade dabei): das sind
die Stoffe der neuen Bilder, welche
trotz mancher Einwände, die sich machen
ließen, den Künstler in rüstig
fortschreitender Arbeit zeigen, g.j. w.
ÜNCHEN. Bei der Plakatkonkurrenz
für die große deutsche Kunstausstellung
Wien 1909 erhielt den ersten
Preis mit 500 M. der Maler Friedrich
Wirnhier in München.
ORAG. Im Kunstverein für Böhmen
* ist derzeit eine Kollektivausstellung
von Werken Josef Navrätils (1798
bis 1865) zu sehen, der als erster böhmischer
Impressionist bezeichnet werden
kann. Berühmte Namen, wie Goya
und Daumier, fallen einem ein, wenn
man die große Reihe der Werke Navrätils
durchwandert; und wenn er auch
an allgemeiner Bedeutung weit hinter
jenen Großen zurücksteht, so ist es doch
sein unbestreitbares Verdienst, den kühnen
Schwung einer malerischen Auffassung
und die rauschenden Akkorde
fesselnder Farbenharmonien in die Kunst
Böhmens eingeführt zu haben. Allerdings
ward er fast vergessen; umso
größerer Dank gebührt demnach dem
Kunstverein, daß er keine Mühe scheute,
das gesamte Lebenswerk des Künstlers
vorzuführen, und zwar in einer den Zeitcharakter
wahrenden Anordnung. Allerdings kann man Navrätil
durchaus nicht als einen charakteristischen Vertreter
seiner Zeit betrachten; denn gerade der
Gegensatz zu der in ihr üblichen Malweise macht
uns ihn lieb und teuer. — Der tschechische Künstlerverein
»Manes«, den man am besten als tschechische
Secession bezeichnen könnte, führt uns in
seinem schmucken Ausstellungsheim eine erlesene
Auswahl von Werken des französischen Malers
Emile Bernard vor, der die Pfade seiner impressionistischen
Lehrmeister völlig verlassen hat und
nun nach einer Kunst ringt, die vielfach an die der
großen Venezianer erinnert, in der aber auch zahlreiche
spanische Einflüsse mitspielen, dr. e. Utitz
YWEIMAR. Der seit kurzem eröffnete Kunstsalon
Hirschwald verdient nach dem, was er bisher
geboten hat, die Beachtung sowohl der Künstler als
auch der Kunstfreunde. Er hat jedenfalls nicht die
Absicht, sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen
, sondern läßt alle zu Worte kommen, die wirklich
etwas zu sagen haben. Die Eröffnungs-Ausstellung
galt hiesigen Künstlern, über deren Werke
wir bereits früher berichteten. Hierauf folgte eine
Ausstellung Münchener Maler. Leo Putz war mit
m. o. muller
judith
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