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WHISTLER UND SEINE ARTIGE KUNST, SICH FEINDE ZU MACHEN
Der Plastiker aber zerschlägt seine abgelehnten
Gipsmodelle, und die Nachwelt, die sich
am Lied, am Bild, am Drama eines Zurückgesetzten
ebenso wie an dem eines rechtzeitig
Anerkannten erfreut, behält von dem
gigantischsten Monumentum nur eine ärmliche
Photographie. Freuen wir uns, daß dies
nicht Metzners Fall sein wird, daß unsere
Söhne und Enkel zum Völkerschlachtdenkmal
werden wallfahrten können!
FRANZ METZNEK
POKTRAT EINES ALTEN MANNES
WHISTLER UND SEINE ARTIGE KUNST, SICH
FEINDE ZU MACHEN*)
Ein Brief von Gustav Pauli
Sehr verehrter Herr Redakteur!
Sie schicken mir eine Uebersetzung der
„Gentie art of making enemies" mit der
freundlichen Aufforderung, Ihnen aus diesem
Anlaß einen Artikel über Whistler zu schreiben.
Aber wissen Sie auch, was Sie mir damit
zumuten? — Ebensowohl könnten Sie ein
Lamm einladen, Ihnen eine Dissertation über
den Metzger zu schicken. Sind wir denn nicht
ein für allemal von dem „Meister mit dem
*) Whistler, James Mc. Neill. Die artige Kunst, sich Feinde zu
machen. Deutsch von Marg. Mauthner. Cart. M. 8.—. Berlin 1909.
Verlag von Bruno Cassirer.
Schmetterling" erledigt, Sie und ich und alle
die andern, die sich erfrecht haben oder sich
je erfrechen werden, über die Kunst zu schreiben
, die sie nicht selber ausüben? — Und
weiter — glauben Sie denn nicht, daß Whistler
allen Künstlern aus der Seele gesprochen hat,
als er die Kunstschreiber für ein Uebel erklärte
, nicht einmal für ein notwendiges, sondern
für ein sehr überflüssiges Uebel?
Nein, lassen Sie uns der peinlichen Perspektive
in weitere Gedankengänge, die sich hier
eröffnet, lieber nicht nachgehen. Schweigen
wir über den Maler Whistler. Befolgen wir
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