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-«r4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
franz metzner
kopf vom völkerschlachtdenkmal bei leipzig
von Stanislaus Lewandowski, C. M.Schwerdt-
ner, Kauffungen, Fritz Zerritsch, Holzschnitzereien
von Zelezny und G. Jekel seien angeführt
neben den Arbeiten der noch immerschaffens-
frohen Kundmann und Otto König. Rathausky
mit seinem Relief »Vertreibung aus dem Paradiese«,
Illitsch (>Es ist vollbracht«) behandeln biblische
Gegenstände, nach dem großen Stil strebend wie
auch der sonst als Kleinplastiker der Tierwelt bewährte
Friedrich Gornik und wie Josefine
Christen( »Tröstende Muse«). Der für die Grazer
neue Musikhalle bestimmte »Beethoven« von Johannes
Benk hat mehr Lebendigkeit als es bisher
die Konvention zuließ und ist in der Form vortrefflich
, was man auch von dem fast zur Freiplastik
losgelösten Hochrelief Stundls (»Zwei Schatten«,
d. h. Francesca da Rimini und Paolo) sagen muß,
obwohl es mit dem Material in Widerspruch gerät.
Das sonst den Graphikern vorbehaltene Kabinett
wurde diesmal dem Architekten Anton Weber eingeräumt
, der als Restaurator sich für seine eigenen
Entwürfe Stilgefühl bewahrt hat. Unter den Radierern
berührt sich der weitzügige Alfred Wesemann,
(»Dashohe Feld«) diesmal im Format mit Tomislav
Krizman, dessen Damenporträt ein ausnehmend
großes Blatt ist. Neben den leise impressionistischen
und schummrigen Landschaften von Ferdinand
Gold erscheinen die höchst eigenartigen, überaus
sicher modellierenden Radierungen von Alfrfd
Cossmann doppelt anziehend durch ihre Erfindung
und durch ihre liebevolle Ausführung.
karl m. kuzmany
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
DERLIN. Kein Wunder, daß Japan, das Land,
dem die moderne Kunst so unendlich viel intensivste
Anregung zu danken hat, immer mehr
unsere Künstler an sich zieht; nach Orlik und
Hübner ist nun auch Karl Walser drüben
gewesen. Seine malerische Veranlagung mußte
ihn mit Notwendigkeit in das Land der aufgehenden
Sonne weisen. Die Früchte seiner Reise stellt er
jetzt bei Cassirer aus; es sind besonders festliche
Umzüge und Theaterbilder, sowie eine große Zahl
kleiner aquarellierter Kostümfiguren, denen man
ansieht, daß sie seiner Neigung für die Bühnenkunst
entsprungen sind. Daneben dann auch sehr
fein beobachtete Bewegungsstudien, in denen das
Exotische der Rasse exakt zum Ausdruck kommt.
Emil Pottner hat eine Reihe frisch und lebendig
gemalter Blumengärten ausgestellt. Was ihnen
fehlt, das ist die Sonne, die klare, raumschaffende
Atmosphäre. Hier sollte Pottner die neuesten
Liebermanns studieren; da würde er finden, was
ihm nottut. Farbig interessant sind seine Tierkeramiken
, aber ein sonderliches keramisches Stilgefühl
verraten sie nicht. Im gleichen Raum mit
einigen Porträts von Heinrich E. Linde-Walther
hängen mehrere sehr beachtenswerte Landschaften
von Waldemar Rösler, breit und ruhig vorgetragen
und fein in der Abstimmung der farbigen
Werte gegeneinander. Die großn Kollektion Renoirs
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