Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 388
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0462
-s5^ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

bereitet eine gewaltige Enttäuschung. Man würde
dem Künstler und seinem Rufe besser dienen,
wenn man derartige unangenehme — rund heraus:
schlechte — Bilder nicht auf die Reise schickte.
Diese Akte von übelster Limonadenfarbe, diese
Landschaften mit ihrem giftigen Grün, ihrem krassen
Blau und den faden Lila-Zwischentönen haben eine
abscheuliche farbige Wirkung; hinzu kommt ferner
eine höchst unerfreuliche Verschwommenheit aller
Formen. Einige wenige Bilder machen eine Ausnahme
und zeigen den Künstler, den wir schätzen,
so besonders das Portrait einer Dame in schwarzem
Kleid und einige kleine Landschaften.

In Caspers Kunst-Salon herrschen die graphischen
Künste. Da hängen sehr gute farbige Radierungen
von Raffaeli, unter denen eine Winterlandschaft
mit ansteigendem Terrain in blaßen Farben und eine
schwere Abendstimmung mit einem gelben Gewitterhimmel
über bewegtem Wasser hervorragen. Daneben
haben die Werke des Vereins für farbige
Original-Radierungen einen schweren Stand. Von
den Mitgliedern (L. Braun, V. Preissig, Harald
Gallen, T. Krizmann, E.Krause, A. Wesemann
u. a.) scheinen die beiden letztgenannten das Beste
zu versprechen; meist sind es noch tastende Versuche
. Einige gute Sachen von W. Unger hängen
dazwischen. P. Renouard, von dem zwei Zyklen
Radierungen von ganz hoher Qualität bei Casper
ausgestellt sind, ist sicher bei uns noch nicht genügend
geschätzt. Von dem einen — L'opera —,
der zum größten Teil in den 1880er Jahren entstanden
ist und eine große Vielseitigkeit in der Technik
zeigt, haben wir schon kurz berichtet. Dann die 200
>Mouvements, Gestes et Expressionsi, die bis in
die letzte Zeit hineingehen. Eine glänzende Beobachtung
steckt in den Blättern — meist Augenblicks-
visierungen — die von den zartesten Andeutungen
und Umrißzeichnungen bis zu kräftig ausgeführten
Porträtdarstellungen bei immer gleichbleibender
Verve des Vortrags sich bewegen. Ganz ausgezeichnet
sind die charakteristischen Bewegungen
einiger Rednergrößen, u. a. des Advokaten Labori
erfaßt; weiter entzückend frische Szenen von Kinderspielplätzen
, sowie Tierbilder.

Fritz Gurlitt hat in seinen Räumen die Verbindung
bildender Künstlerinnen aufgenommen.
Natürlich sehr ungleichmäßig in der Qualität, aber
doch einiges sehr Gutes dabei. So die prachtvollen,
zum Teil bekannten Radierungen von Käthe Kollwitz
, so das feine Damenporträt von Sabine
Lepsius, das in der vorjährigen Secessions-Aus-
stellung hing. Das bedeutendste Talent unter den
Malerinnen ist sicher Clara Sievers, deren Bilder,
— aus der gleichen Sphäre wie die Kollwitzschen
Blätter entnommen — ein starkes Temperament
verraten. Sehr geschmackvoll ist unter den Bildern
von Julie Wolfthorn besonders das Mädchenbildnis
; Sinn für gute Komposition und frische
Farben zeigen die Landschaften von Eva Stört.
Im übrigen seien noch erwähnt: Marie von Brockhusen
mit einigen farbig recht guten Stilleben,
Harry Fürtters »Gobbo«, sowie die großen, kräftig
durchgeführten Akte von Ida Stroever (Bremen).
Als Gäste haben ausgestellt u. a. Adele von Finck
und Ida Gerhardi, deren Porträts aber doch mehr
ein eigenwilliges Wollen als ein ausgereiftes Können
dokumentieren. Im ganzen aber kann man erfreut
sein besonders über das tüchtige Quantum von
feiner Farbenkultur, das in diesen weiblichen Kunstwerken
steckt. r. sch.

"TvARMSTADT. In das Einerlei mittelmäßiger
Monatsausstellungen des Kunstvereins brachte

eine wertvolle Kollektion der neuesten Landschaften
von Edmund Steppes sehr willkommene Abwechslung
. Auch der Vorführung neuer Bilder dreier einheimischer
Künstler — Wilhelm Bader, Adolf
und Anna Beyer - - war guter Erfolg beschieden.
Ein bemerkenswertes Können offenbarte als Bildnis-
und Landschaftsmaler in einer Sonderausstellung
der Sonnthalschen Kunsthandlung ein in Darmstadt
geborener junger Münchener Wilhelm Preetorius,
der in Willroiders und Ludwig von Hofmanns
Schule gebildet ist. —r.

l/'ARLSRUHE. Kunstverein. Ein tragisches Ge-
schick hat Prof. Ludwig Schmid-Reutte, der
vor einigen Jahren als Leiter der Aktklasse an die
hiesige Akademie berufen wurde, seinem durchaus
ernsten, gediegenen Kunststreben leider wohl auf
immer entführt. Es ist daher als ein sehr wohltuender
Akt der Pietät zu bezeichnen, daß der Badische Kunstverein
uns in einer größeren Kollektion eine umfassende
Uebersicht über das ganz eigenartige, kraftvolle
und wuchtige Schaffen des reichbegabten Künstlers
bietet, dessen Hauptstärke vor allem in der
vollendeten Wiedergabe des Organismus der nackten
menschlichen Gestalt nach jeder Richtung hin liegt,
neben der das eigentlich Malerische der Erscheinung,
so sehr es auch der talentvolle Meister beherrscht,
recht bemerkbar zurücktritt. Am besten gelingen
ihm deshalb auch die echt monumental, in strenger
und geschlossener, fast typischer Komposition wiedergegebenen
Figurengruppen und Einzelgestalten, in
denen sich seine kraftvolle, herbe, ganz eigenartige
Individualität am reinsten ausspricht. Neben diesen
wuchtigen Werken stärkster Qualität haben die daneben
ausgestellten Kompositionen des in Rom lebenden
Hans von Marees-Epigonen, Artur Volkmann
einen außerordentlich schweren Stand. Auch die große
Kollektion von Julius Exter — Uebersee am Chiemsee
— vermag sich in ihrem virtuosenhaften, routinierten
, theatralischen Können, mit der unverkennbaren
Anlehnung an sehr bekannte Meister, von Rubens bis
zu den Allermodernsten, neben Schmid-Reutte durchaus
nicht zu behaupten. Eine dem vorigen geistesverwandte
Kunstrichtung kultiviert Ludwig von Hof-
mann-Weimar, der ebenfalls wie Julius Exter in dem
reichen Zauber feiner lichtvoller Farbenphantasien
schwelgt,dabei aberauch des öfteren bei einem starken
Hang zum Dekorativen einer etwas weichlichen Süßlichkeit
verfällt, immerhin aber doch eine weit selbständigere
und eigenartigere, idealistisch veranlagte, fein
empfindende Künstlernatur ist, wie man deutlich
erkennt, wenn man damit die große figürliche Kollektion
von G. LüHRiG-Dresden mit ihrem unkünstlerischen
und unreifen Realismus betrachtet. Auf dem
Gebiet der Graphik erwähnen wir den Figurenradierer
Aug. Babberger mittrefflichen vielversprechenden
Kompositionen und auf dem der Plastik W. Gerstel.

T EIPZIG. Der Rat der Stadt hat aus dem Nachlaß
*^ Wilhelm Busch' drei geschlossene Folgen
von Bildern, im ganzen 33 Blatt aquarellierte Federzeichnungen
mit eingeschriebenem Texte für das
hiesige Museum der bildenden Künste erworben.

AGDEBURG. Das Kaiser-Friedrich-Museum
iVA erwarb aus einer Kalckreuth-Ausstellung des
Kunstvereins zwei Gemälde von Kalckreuth, die
seine spätere (jetzige) Schaffensart in vorzüglicher
Weise darstellen, und für das Museum, das bisher
noch keinen Kalckreuth besaß, eine wertvolle Bereicherung
der Gemäldesammlung bedeuten. Es
sind die Landschaft »Leuchtturm bei Cuxhaven«,
von glänzender Malerei der Atmosphäre und starker
Konzentrierung des Ausdrucks bei einem einfachen
Motiv, und ein Knabenporträt, das an der plastischen

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