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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
timentalität, die bei Behandlung derartiger Motive
allzu gern sich einstellt. Groß und einfach faßt er
alles auf und gestaltet es mit ungeheurer Wucht.
Wie ein feierlich rauschender Akkord ist dieses farbenstrahlende
Werk, aus dem mächtige Kraft und
tiefe Innerlichkeit sprechen. Von gleicher Monumentalität
sind zwei Reiterfiguren Franz Metzners,
die für das Völkerschlacht-Denkmal bei Leipzig bestimmt
sind. In deutlicher Ausprägung zeigen sie
den diesem Künstler eigenen, streng architektonisch
gebundenen Stil. Weiter fallen die Arbeiten des
Prager Akademieprofessors Franz Thiele auf, der
gleich tüchtig den Pinsel wie den Meißel führt. Ein
Porträt, das Karl Krattner darstellt, und ein polychromer
Wandbrunnen scheinen mir besonders gelungen
. Ausgezeichnet hat Emanuel Hegenbarth
ausgestellt, der vor allem in einem großen Gemälde:
>Beim Wildbrethändler< sein fabelhaftes,malerisches
Können offenbart. Freudig sind auch zu begrüßen
die Landschaften von E. Ameseder und W. F.Jäger,
die flotten Bilder aus dem Pariser Leben von Ferdinand
Michl, der bedeutende Fortschritte gemacht
hat, die mehr impressionistischen Arbeiten
von August Roth, sowie die zarten, lyrisch-elegischen
Wandmalereien von Otto Th. W. Stein, der
starke Hoffnungen für die Zukunft erweckt. Eigenartig
fesselnd wirken August Brömses stimmungsvolle
, farbige Radierungen; in diesem Zusammenhang
darf auch nicht vergessen werden an die großzügigen
, schwermütigen Aquarelle von RudolfJett-
mar, wie auf die Holzschnitte von Walter Klemm
und Karl Thiemann, die in diesem Verfahren eine
höchst beachtenswerte Vollkommenheit erlangt haben
, und an die ausdrucksvollen, technisch glänzenden
Zeichnungen von Otto Czeschka. Arnold
Hartigs Medaillen und Michael Powolnys bunte
Majolikaputten bilden in ihrer Art kleine Meisterwerke
. Als ein neuer Mann stellt sich Alfred
Justitz vor, der gleich mit 17 Arbeiten anrückt,
die bei aller Schülerhaftigkeit doch Talent verraten.
Alles in allem: ein sehr erfreuliches Bild deutschen
Kunstlebens in unserer Stadt. Dr. e. Utitz
CTUTTGART. Der Verein WürttembergischerKunst-
^ freunde hat im Monat April in dem Gebäude der
Kgl. Generaladjutantur eine Ausstellung von 70
Kunstwerken veranstaltet, die von 40 einheimischen
Künstlern stammen und nun unter den Vereinsmitgliedern
zur Verteilung gelangen. Es ist dies
schon die zweite Verlosung des seit dem Jahre 1905
bestehenden Vereins, dessen wichtigste Verpflichtung
darin besteht, daß seine Mitglieder innerhalb drei
Jahren 75 Proz. ihrer eingezahlten Beiträge in Gestalt
von Kunstwerken zurückerhalten Diesmal hat der
Verein für etwas über 31000 M. Kunstwerke erworben
und man wird gerne zugestehen, daß die von Ad.
Hölzel und R. Poetzelberger mit erlesenem
Geschmack arrangierte Ausstellung derselben einen
vorzüglichen Eindruck machte. Wenn von J. V.
Cissarz und Rob. Weise eine größere Auswahl
getroffen worden ist, so hängt dies mit den Bedingungen
ihrer Berufung durch den Verein zusammen
. Im übrigen finden wir neben den bekannten
Namen Rob. Haug, Fried. Keller, H.
Pleuer, R. Poetzelberger, Chr. Speier u.a.m.
auch eine Anzahl jüngerer Künstler, die sämtliche
gut vertreten sind. — Von der Stuttgarter Staatsgalerie
ist das Bild > Reitende Jäger« von Akademie-
franz metzner
entwurf zu einem brunnen-denkmal
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