Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 400
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0476
->s=4^> DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DER WIENER SECESSION <^s-

ERNST ST OHR

DER WEGNARR

Frühjahr-Ausstellung der Wiener Secession

einer mystischen Weltverlorenheit hervor, der
sonst nur schwer aus der sie umhüllenden
Phantastik herauszulösen ist. Neben diesen
Klängen aus einer Pastorale tönen die einfarbigen
Tuschzeichnungen von Mieczyslaw
Jakimovicz gleich unergründlichen Noktur-
nos. „Am Rande des Lebens" sind die beiden
Alten noch im Diesseits, aber aus den „wundervollen
Augen" eines jungen Mädchens
(Abb. S. 415) dämmern schon die Geheimnisse
der vierten Dimension, die uns der Künstler
ahnen läßt. Auch Jan Rembowski nimmt
das Leben nicht leicht und Artur Markowicz
leuchtet mit mattem Licht in die Stuben der
Darbenden. Stephan Filipkiewicz bringt
wieder einige weit ausschwingende Landschaften
vom Flußlaufe des Dunajec und farbensatte
Stillleben.

Endlich die Bildhauer, wenige an der Zahl,
doch eine Kerntruppe. Anton Hanak hat
die Weihe der Kraft empfangen, das weiß
man schon seit seinen Anfängen, die Kraft
des Wollens und des Könnens. Aus der
engen Berührung mit dem Stein, zumal mit

dem so gar nicht zuckrigen Untersberger Marmor
, den er selbst bearbeitet, erwächst ihm
das Gefühl für die gefestete, die ruhige Form.
Die Beharrlichkeit des subjektiven Strebens
und das Beharrungsvermögen des Materials
sind hier verschwistert. Als „Ewigkeit" thront
eine weibliche Gestalt, die Symmetrie kaum
merkbar aufgehoben und darum trotz den
kolossalen Maßverhältnissen ohne Starrheit,als
ein über alles Vergängliche siegreiches Grabmal
; die „Mutter" in ihrer vom Werden
strotzenden Nacktheit, ein Gigantenkopf und
ein unerbittlich wahres Porträt, der „Jüngling
" (Abb. S. 399), vor dessen zagem Ausschreiten
das ganze Leben mit seinem „Ja"
und „Nein" liegt — sie alle lassen keinen
Zweifel darüber, daß die Gebilde nicht leerer
Stein, sondern gedanklich bewegt sind. Dem
Sockel seines überlebensgroßen Reiterstandbildes
(Abb. geg. S. 393) hat Josef Müllner
Goethesche Verse eingeritzt: „Sorgenlos über
die Fläche weg, wo vom kühnsten Wager
die Bahn dir nicht vorgegraben du siehst,
mache dir selber Bahn." Das erklärt das

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