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ZUR JAHRHUNDERTFEIER DER MÜNCHNER AKADEMIE
DER BILDENDEN KÜNSTE
Von Georg Jacob Wolf
In den Maitagen dieses Jahres begeht die
Münchner Akademie der bildenden Künste
ihre Hundertjahr-Feier, allerdings mit einer
beträchtlichen Verspätung, denn schon am
13. Mai 1808 erhielt sie von König Max I.
Joseph ihre Konstitution; freilich mag man
als Entschuldigung anführen, daß die Wirksamkeit
der Akademie erst ein Jahr später an-
hub: de facto besteht das Institut erst seit 1 809.
München ist keine Kunststadt alten Stils —
es ist im eigentlichen Sinn eine neuzeitliche
Künstlerstadt. Sein Besitzstand an alten künstlerischen
Werten vermag sich mit dem Augsburgs
, Nürnbergs, Rothenburgs in keiner
Weise zu messen — erst mit dem 19. Jahrhundert
hebt sich Münchens Kunstniveau.
Man ist geneigt, diesen künstlerischen Aufschwung
ein für allemal König Ludwig I. zugute
zu schreiben. Wir denken dabei an
sein feinsinniges und großzügiges Mäzenat,
in unsere Ohren klingen die Worte, die er
in erlesener Kennerschaft bei der Grundsteinlegung
der Neuen Pinakothek sprach: „Als
Luxus darf die Kunst nicht betrachtet werden,
in allem drücke sie sich aus, sie gehe über
ins Leben, nur dann ist sie, was sie sein
soll." Wir denken daran und vergessen darüber
das Verdienst, das sich Bayerns erster
König Max Joseph um die Kunst erwarb, als
er, nach dem Vorbilde Düsseldorfs, Berlins
und Dresdens, die Münchner Akademie gründete
. Sie hatte freilich auch in München
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