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-s-4^> ZUR JAHRHUNDERTFEIER DER MÜNCHNER AKADEMIE
schon eine Vorgängerin gehabt: die von Kurfürst
Max III. Joseph im Jahre 1770 errichtete
Zeichnungs-, Maler- und Bildhauerschule. Bei
einem Dotationsfonds von nur 3000 Gulden,
bei dem Mangel an Lehrmitteln, den beschränkten
räumlichen Verhältnissen und der
geringen Bedeutung, welche die vier Profes-
dem Kurfürsten Max III. Joseph, die Bestimmung
erhielt, der Popularisierung der Wissenschaften
zum Zweck der Förderung der Volksbildung
zu dienen und praktisch ins Leben
hinauszuwirken, so verband sich auch mit
der Akademie der Künste ein populär-lehrhafter
Zweck: sie sollte im Volke das Inter-
KARL SCHMOLL VON EISENWERTH
Frühjahr-Ausstellung der Wiener Secession
DEKORATIVE FÜLLUNG
soren besaßen (nur Roman Boos, der Bildhauer
, ist eine künstlerisch wertvollere Erscheinung
), konnte dieses Institut aber nie
florieren. Und so kann man also die Akademie
frischweg eine Neugründung nennen,
denn sie stellt sich durchaus nicht als bloße
Erweiterung und Organisierung der alten
Schule dar.
Wie seinerzeit die Akademie der Wissenschaften
in München von ihrem Gründer,
esse für die Kunst wecken und Industrie und
Gewerbe künstlerisch befruchten. Das, was
die Akademie heute ist, eine hohe Schule
der Kunst, mit Lehr- und Lernfreiheit ausgestattet
, war sie in ihren Frühzeiten keineswegs
; auf der einen Seite trug sie den Charakter
einer gelehrten Kunstgesellschaft, auf
der anderen den einer höheren Fachschule.
So blieb es in der ganzen vorcornelianischen
Zeit: strenger Klassizismus in der Form,
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