Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 406
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^£sö> ZUR JAHRHUNDERTFEIER DER MÜNCHNER AKADEMIE

muffige, engherzige Schulmeisterei im tieferen
Wesen. Der erste Direktor, Johann Peter
Langer, der aus Düsseldorf berufen wurde,
war ein Mengs-Jünger. Damit ist seine Richtung
gekennzeichnet. Sein Sohn Robert, der
neben ihm als Lehrer wirkte, trat in seine
Fußstapfen, der biedere Hauber, Dillis, Kellerhoven
, Seidl, Lamine — die Professoren der
Anstalt — waren keine so starken Persönlichkeiten
, daß sie sich dem Direktor gegenüber
hätten durchsetzen können. Und so haben
denn die ersten fünfzehn Jahre der Akademie
den Charaktereinerbescheidenen Lauheit, einer
wackeren, liebenswürdigen Mittelmäßigkeit.

Immerhin aber bot dieses an sich nicht
sonderlich bedeutende Institut die Möglichkeit,
nach Langers Tod einem wahrhaft Großen
der Kunst als Folie seines Wirkens angeboten
zu werden. Peter Cornelius, an den auf
Kronprinz Ludwigs Veranlassung der Ruf
erging, trat 1824 an die Spitze der Akademie.
Ihm war von Düsseldorf her eine stattliche

FRIEDRICH KÖNIG DIE JUNGE TÄNZERI

Frühjahr-Ausstellung der Wiener Secession

Schülerschar gefolgt, für die es in München,
wo Ludwig I. inzwischen auf den Thron gelangt
, seine Monumentalbauten mit reichem
Freskenschmuck verzieren ließ, reichlich Arbeit
gab. Bald rückten diese Freunde und
Schüler des Cornelius auch in die Lehrstellen
der Akademie ein, die alten Professoren
wurden eliminiert, für sie traten Schnorr,
Heinrich Heß, Klemens Zimmermann, Schlotthauer
, Amsler und später Schwanthaler in
die Reihen der akademischen Lehrer. Das
war nun freilich ein anderer Lehrkörper als
der unter Langers Aegide! Ein frisches, wetteiferndes
Arbeiten hub an und München trat
in die Maienblüte seiner künstlerischen Entwicklung
. Aber was so harmonisch begonnen
hatte, das sollte nicht harmonisch enden.
Durch diese tätige Kunstidylle schrillt eine
scharfe Dissonanz: Ludwigs Bruch mit Cornelius
. Welche Kluft liegt zwischen den
beiden Momenten: Am 31. Dezember 1825
erschien der König in der Glyptothek, wo
Cornelius auf der frisch gekalkten Wand
malte: „Man pflegt Helden auf dem
Schauplatz ihrer Taten zu Rittern zu
schlagen," sprach Ludwig und heftete
dem Meister den Kronenorden an die
Brust. Im Jahre 1840 stand der König
vor dem Fresko des Cornelius in der
Ludwigskirche und sagte angesichts dieser
Kunst, die sich im Religiös-Philosophischen
auflöste und das Rein-Malerische
hintansetzte, die bedeutungsvollen,
in ihrer ganzen Wirksamkeit erst von
unserer Zeit wieder verstandenen Worte:
„Der Maler muß malen können."

Cornelius zog die Konsequenzen aus
dem königlichen Mißfallen. Ein Ruf nach
Berlin kam ihm gerade recht. 1841 verließ
er München. An die Spitze der Akademie
berief der König den Architekten
Friedrich von Gärtner, keine starke, aber
eine desto liebenswürdigere Persönlichkeit
. Unter ihm traten Moriz von Schwind
und Karl Schorn ihre Professuren an der
Akademie an. Nach Gärtners frühem
Tod, 1847, folgte ein Interregnum unter
der Leitung von Heinrich Heß, dann
aber wurde jener Mann an die Spitze des
Instituts gestellt, dessen Direktorat vielleicht
die glücklichste Zeit der Münchner
Kunst umschließt: Wilhelm von
Kaulbach. Er selbst freilich war nicht
der welterschütternde Künstler, als den
ihn das Kunstpublikum seiner Zeit ansah
. Seinen überstiegenen Kartonmonumentalismus
können wir heute nicht
mehr goutieren. Wir wissen, daß seine

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