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-sr^> ZUR JAHRHUNDERTFEIER DER MÜNCHNER AKADEMIE <^=^
FERDINAND KRUIS
HOLLANDISCHE MADCHEN
Frühjahr-Ausstellung der Wiener Secession
zunächst in einen Gegensatz zu der Akademie,
die unter der Führung Fritz August Kaulbachs,
eines Neffen des alten Wilhelm Kaulbach, ja
selbst während der ersten Direktionsjahre von
Kaulbachs Nachfolger, Ludwig Löfftz, konservativ
blieb. Und doch war die ganze Secessions-
bewegung aus der Akademie herausgewachsen:
sie kam von der Diez-Schule her. Die Führer
des älteren Secessionismus, Paul Hoecker,
Ludwig Herterich, Wilhelm Dürr, Langhammer
, Holzel, Piglhein, Kuehl — sie alle sind
Diez-Schüler. Nur Uhde, Stuck und Habermann
kamen aus anderen Kunstrevieren. Als
diese junge, mutige Bewegung mit jugendlichem
Ungestüm daherfuhr wie ein Donnerwetter
im Frühling, da schlössen die Alten
und Braven, Wohlgesitteten und „Gewappelten
" ängstlich ihre Türen — die Akademie
aber machte nach kurzem Besinnen ihre
Tore weit auf, und es ist nun schon reichlich
mehr als ein Jahrzehnt darüber verflossen
, seit sie Hoecker, Stuck, Herterich
und Zügel als Lehrer aufnahm. Ihnen folgten
unter dem Regime des Erzgießers Ferdinand
von Miller, der seit 1. Januar 1900 Akademiedirektor
ist, verschiedene andere, so Habermann
und Angelo Jank. Das brachte frisches
Blut und frische Jugend, neue Ziele, neue
Ansichten. Es ließ keine Erstarrung und keine
Verknöcherung aufkommen — das Wort „Akademismus
" im steifleinenen Sinne hat für die
Münchener Akademie keine Geltung. Und dieser
freundliche Stern, der bisher über ihrem
Hause glückbringend stand, soll ihr auch weiterhin
erstrahlen!
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