Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 414
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~^3ö> DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DES WIENER HAGENBUNDES <^M?~

Antwerpen u. a.), sowie sehr interessante und sehr
geschickt gewählte Ansichten in Farbenholzschnitt
aus dem Goethe-Haus in Weimar von Margarete
Geibel. Erwähnenswert sind die Originalholzschnitte
von Karl Schmoll von Eisenwerth
(Spaziergang, Im Garten), von Carl Thiemann
(Altdarmstadt, Die Moral u. a.), sowie die amüsanten
Musikerkarikaturen von Hans Lindloff in Gul-
branssons Art. Unter den farbigen Zeichnungen sind
ein Paar wunderschöne Blätter von Rudolf Sieck
eine Reihe seiner komischen Buntstiftzeichnungen hat
Heinrich Zille ausgestellt, und von Martin
Brandenburg finden wir eine große wirkungsvolle
Zeichnung Macbeth und die Hexen. — Im ganzen
bietet die Ausstellung ein treffliches Bild tüchtigen
Könnens und Fortschreitens auf dem Gebiete der
graphischen Kunst, wobei nur zu wünschen wäre,
daß sich die >großen Meister< bei der Beschickung
mehr angestrengt hätten. Paul Schumann

DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG

DES WIENER HAGENBUNDES

V'u dem angenehmen befriedigenden Eindruck des
Gesamtbildes trägt nicht zum wenigsten die
geschickte Aufteilung des Raumes bei; sie ist im
einzelnen so vorgenommen worden, daß größere
oder heftig sich gebärdende Werke ohne dadurch
beeinträchtigte Umgebung bleiben und alles Kleine
und Intime zueinander versammelt ist. Schließlich
hebt sich alles gegenseitig auf einem zugepaßten
Hintergrund. Diese vergänglichste aller Leistungen,
diese unauffällig praktische Inszenierung rührt vom
Architekten Oskar Laske her, dem sich Joseph
Urban, der sonst immer sie besorgte, für einmal
unterordnete. Ein Mittelpunkt für die ganze Anlage
war durch die maßvoll stilisierte Gruppe »Frühlingserwachen
« des Bildhauers Josef Heu gegeben, der
sich außerdem durch zwei Porträtbüsten von verschiedenem
Materialreiz auszeichnet. Eigenartig
charakterisierend erfaßt ist auch die vornehme »Halbfigur
« von Karl Stemolak. Durch die Bronzestatuette
eines Jünglings überrascht Franz Barwig,
denn man ist gewohnt, ihm als Holzschnitzer zu
begegnen; als solcher ist er reichlichst vertreten,
denn außer einem >Rudolf von Habsburg«, der aus
dem zu breit bestimmten Formen zwingenden Eichenholz
geholt ist, läßt Barwig eine ganze Heerschar
kleiner bemalter Figuren aufmarschieren, in historischen
Trachten sowie als mährische Volkstypen,
immer spassig, eckig oder rundlich, Spielzeug,
das bei einiger Phantasie auch von Massenerzeugern
hergestellt werden kann. Hier seien auch gleich
die schönen Holzintarsien von Herbert Grafen
Schaffgotsch erwähnt. In seiner ganzen Vielseitigkeit
zeigt sich Rudolf Junk: als Oelmaler
mit pointillistischen Landschaften, als Kunstgewerb-
ler mit einem gestickten Wandbehang, als Graphiker
mit farbigen Holzschnitten und Buchschmuck; aber
geradezu Aufsehen erregt er durch eine illuminierte
Pergamenthandschrift, in der sich moderner Geschmack
und ein unsäglicher Aufwand von geduldigem
Fleiß vermählen. Ein ornamentaler Zug von
besonderem Zuschnitt und viel Poesie geht durch
die Arbeiten Junks, eines Gelehrten unter den Künstlern
. Schneller als solch ein Kleinmeister wissen
die Maler zu packen, sei es nun, wie August Roth
durch die Beseelung der eigentümlich fluktuierenden
Tafeln, oder durch ungehemmte Farbenspiele, denen
L. F. Graf huldigt. Unter den Landschaftern weiß
diesmal besonders Otto Barth zu fesseln, denn
seine Schilderung -Aus dem Bergsteigerleben«

ist zugleich naturwahr und in breit dekorativem
Sinn aufgefaßt. Adolf Gross (>Winterbild«), der
zusehends sich verfeinernde Hugo Baar, Gustav
Bamberger, A. Wodnansky, Raoul Frank, J.
Beyer, die intim behutsamen Münchner Otto
Bauriedl und Rudolf Sieck reihen sich jenen
an. Ungemein zahlreich haben sich die Maler des
Figuralen eingestellt,längst bewährte wieA.D.Goltz
mitseinen Behagen verbreitenden »Niederösterreichi-
schen Winzern« und der Porträtist Ludwig Kuba,
als Führer der Gäste Altmeister Gotthard Kuehl,
den Ferd. Dorsch aus Dresden herbegleitet, während
aus München Hoffmann von Vestenhof
eine skizzierte Historie (>Heliogabalus«) und L. v.
Zumbusch schnurrige »Landstreicher« eingeschickt
haben. Und etliche aus dem Nachwuchs wären zu
nennen: Leo Delitz, Gino Parin, die gut münchnerisch
geschulten G. J. Buchner und Otto
Brünauer, V. Hammer, Heinrich Revy, dessen
Talent man einige Absurdität ebenso gerne nachsieht
wie der in jeder Beziehung rätselhaften, aber
als Hellmalerei tüchtigen »Disharmonie« von A. O.
Alexander. Der Tiermaler Karl Huck bringt
einen im Hochgebirg von Blitzen umwitterten Adler
(»Imperator«) zu höherer, symbolischer Bedeutung,
die auch dem Flug Nebelkrähen, deren sich ein
Falke zu erwehren hat, bei allem japanisch keckem
Impressionismus eigen ist. Alexander Wilke
weist seine Hand in einer kräftigen gemalten Studie
aus dem Arbeiterleben und bestätigt seinen Ruf als
Illustrator durch die geistreichen Skizzen zu einer
Bilderfibel. — Die Krakauer Vereinigung »Sztuka«:
ist durch eine Abordnung vertreten, die sorgfältig
gewählt wurde. Ganz meisterlich sind die Studienköpfe
und römischen Architekturstudien von Jozef
Mehoffer gezeichnet; neben ihnen sind am bemerkenswertesten
ein Glasfenster des allmählich sich
beruhigenden Henryk Uziemblo und der polnisch
national empfundene Entwurf für eine Glasmalerei
von Kasimir Sichulski. Noch im Experimentieren
ist Georg Merkel begriffen, in bleichsüchtiger oder
minutiöser Malweise, neben der Theodor Axento-
wicz mit seinem einschmeichelnden Kolorismus
doppelt vornehm wirkt. Auch unter den Tschechen
begegnet man uns schon bekannten Erscheinungen,
wie dem diesmal nicht so knallig wie sonst hinfegenden
BauernmalerJozAUPRKA, den sich Vaclav
Maly (»Prozession im Böhmerwalde«) und wohl
auch der mit wimmelnden Farbenflecken überaus
geschickt arbeitende Otokar Nejedly zum Vorbild
genommen haben. Voll Energie ist L. Vacatko
(»Pferdeschwemme«), im Aufstieg sind alle die Landschafter
begriffen, A. Kalvoda, J. Ullmann, Jan
Honsa u.a. m.; als origineller und eleganter Radierer
glänzt wieder Franz Simon in seinen Pariser
Blättern. Karl m. kuzmany

VON AUSSTELLUNGEN

ANTWERPEN. Salon de V Art Contemporain. Ohne
Bindemittel akademischer Konventionen stellt
sich in Belgien in der Ausbildung der Maler und
Bildhauer ein Zusammenhang her durch ein gemeinsam
verfolgtes Ziel nach vorzüglicher Vollendung
des »Metiers" und nach Wahrheit im Ausdruck
einer Naturempfindung, die jeder Künstlernach eigner
Art, doch aus ähnlichen Quellen sich schöpft. Dies
beweist wieder die in Antwerpen organisierte diesjährige
Ausstellung der »Art Contemporain«, in der
immer in besonders strenger Auswahl das Charakteristische
aus der überreichen Produktion herausgeschöpft
ist. Es sind derselben auch Werke ausländischer
Künstler beigefügt, wobei für Deutsch-

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