Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 417
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JOHN LAVERY

AN DER SEE

JOHN LAVERY

Von H. S.

Lavery ist nicht der Maler der großen Menge;
nicht an ihren Geschmack appelliert seine
Kunst und selten hat man daher auch auf
den englischen „Season"-Ausstellungen seine
Bilder gesehen. Aber trotzdem ist er kein
Unbekannter geblieben; in der Stille wirkend,
hat er sich einen großen Kreis von Freunden
erworben, und die Tatsache, daß er jahrelang
die Geschicke der International Society in
England geleitet hat, zeigt, welch hoher Wertschätzung
er sich besonders in englischen
Künstlerkreisen erfreut. Ich glaube fast, daß
man, trotz des nationalen Elements in seiner
Kunst, ihm im Auslande, auf dem Kontinent
allgemeineres Verständnis entgegenbringt als
in England selbst; auf dem Kontinent auch
hat er, der geborene Irländer, der die erste
künstlerische Ausbildung in Schottland erfuhr
, sich sein „Finish" geholt, in Deutschland
sind seine besten Bilder entstanden und das,
was ihn in England fast ganz abseits der
großen Heerstraße stehen läßt, die Auffassung
und im besonderen die Art seiner Farben-
gebung ist es, was ihn mit den Kunstanschauungen
des Kontinents aufs innigste verbindet
. Aber trotz alledem ist er ein typischer
Vertreter von Englands Kunst; seine Gestalten
sind englisch oder besser gesagt keltisch, nicht
nur der äußere Typus, auch der Geist,
die Seele dieser Rasse hat in ihm einen Darsteller
ohne gleichen gefunden.

Eine innige Freundschaft mit Whistler hat
ihm in frühenjahren seinen Weg gezeigt und
unbewußt ist er von ihm beeinflußt worden;
Whistler und der Altmeister Velazquez haben
seiner Kunst, im besonderen seiner Bildniskunst
, Paten gestanden; doch ist er, der in
England so ganz seine eigenen Wege geht,
den Vorbildern nicht blind gefolgt, selbständig
hat er das bei ihnen Geschaute verarbeitet
und in seine eigene Welt übertragen.
Wunderbar ist es, wie die retizente Natur des
Künstlers, das fast Scheue in seiner Persönlichkeit
überall vernehmlich aus seinen
Schöpfungen spricht.

Laverys Begabung ist eine vielseitige; nicht
im Porträt allein, das in erster Linie seinen
künstlerischen Ruf begründet hat, leistet er
Außerordentliches; sein dekoratives Wandgemälde
im Stadthaus zu Glasgow, „Musik,

Die Kunst für Alle XXIV. 18. 15. Juni 1909.

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