http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0496
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Bildhauerei, Malerei, Architektur und Schiffbaukunst
" zeigt, daß er auch solche Aufgaben
weit ab von den ausgetretenen Geleisen zu
lösen vermag und seine Landschaften verraten
bei aller Vielseitigkeit der Vorwürfe ein so
intensives Erfassen des Charakteristischen,
eine Beherrschung der malerischen Ausdrucksmittel
, daß man ihn auch hier den Besten
seiner Landsleute zuzählen darf. Aber ohne
JOHN LAVERY
Zweifel liegt die Hauptstärke seiner Kunst
im Porträt.
Die Porträts Laverys sind individualistisch
bis zur höchsten Potenz, individualistisch wie
die Wahl seiner Modelle. Lavery, der heute
zu den gesuchten englischen Porträtisten gehört
, ist kein Porträtist in dem gewöhnlichen
Sinn des Wortes. Er schafft keine Porträts in
strengem Sinne, keine photographisch-malerische
Darstellung mehr oder minder wichtiger
Zeitgenossen. Was Lavery malt, ist die Idee,
seine Idee, wie sie sich in seinem Haupte
während des Schaffens entwickelt, und nicht
selten muß das Objekt hinter dieser Idee zurücktreten
. Es wäre verwunderlich, wenn er
damit nicht bei der Zunft der Beckmesser,
Philister und Sachverständigen angestoßen
hätte, und noch heute, nachdem der Erfolg
dem Künstler recht gegeben hat, stehen viele
beiseite und fragen sich, ob das ein Bild ist.
MUTTER UND KIND
Die Kritik hat Lavery wohl nie verhätschelt, am
wenigsten in England, das ihn nicht versteht,
und dem seine Offenbarung noch nicht geworden
ist. „Lavery hängt nicht in der Royal
Academy" und deshalb ist der Standard für den
normalen Durchschnittskritiker in England
nicht erreicht. Aber Lavery hat seine Anerkennung
an anderen Plätzen gefunden,
und in deutschen, französischen und amerikanischen
Galerien hängen seine Bilder. Das
Luxembourg-Museum besitzt eines seiner
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