Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 420
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0498
-s-^> JOHN LAVERY ~C^^f>

feinsten Werke, den „Frühling" (Abb. S. 425).
Mit diesem Bilde hat der Künstler eine neue
Periode seines Schaffens begonnen, eine
Periode, in welcher er seinen Kennern bisher
verborgene Töne des Ausdruckes fand.
Das Thema „Jugend und Frühling" istLaverys
Lieblingsthema, immer neue künstlerische Ausdrucksformen
hat er dafür gefunden, in allen
die gleiche tiefe Empfindung, die uns das
Luxembourg-Bild als eines der feinsten und
zartesten Frühlingsgedichte erscheinen läßt,
die jemals in Farben geschaffen worden sind.
In dieselbe Kategorie von Bildern gehört

JOHN LAVERY

POLYHYMNIA

das Gemälde „Mary in Grün" (Abb. geg.
S. 417). Wieder ist es nicht so viel das Porträt
, welches den Künstler fesselt, als eine
neue Variation des „Frühlings", der Zukunft
und der Mysterie des Daseins. Ein junges
Mädchen sitzt einfach auf einem Stuhl. Die
Figur, obgleich lebensgroß, scheint sich im
Bilde zu verlieren, kindlich und zart. Das
Ganze ist frei von Pose. „Mary in Grün"
ist dasjenige der Bilder des Künstlers, das von
seinen Freunden als das intimste bezeichnet
wird. In keinem anderen Bilde hat er so frei
gesprochen, in keinem anderen auch hat er
so frei mit der Farbe gewirtschaftet wie
in diesem. Lavery ist kein Tausendkünstler
der Farbe, er macht keine erstaunlichen
Tricks und er vermeidet
leichte und marktschreierische Effekte.
Seine Farben entwickeln sich selbständig
und natürlich. Sie wachsen aus einander
heraus, wie sich eine Rose in ihren
Schattierungen entfaltet. „ Mary in Grün"
ist ein Sonett in Farben, das man versteht
und das zu Herzen geht. Laverys
Konzeption der Farbe ist das eigentliche
Charakteristische seiner Kunst. Seine
Bilder sind alle mehr oder weniger von
dieser seiner Haupteigenschaft beeinflußt
. Wo andere in Strichen arbeiten und
massige Linien schaffen, um charakteristische
Typen zu formen, legt er Farben
an, schafft Töne und entwickelt aus der
Farbenwirkung heraus die Stimmung
oder Charaktereigenschaft, die er zu erzielen
wünscht. Die Farbe ist das Leitmotiv
, mit dem er seine Ideen verkündet,
und besonders in diesem Punkte unterscheidet
er sich von seinen englischen
Kollegen. Die englische Kunst hat in
ihrer Entwicklung andere Wege eingeschlagen
wie die deutsche. Die englischen
Maler, abhängig von den Eindrücken
ihrer ersten Jugend, von dem
eigentümlichen Klima Englands, das auf
der einen Seite durch eine mit Wasserdünsten
geschwängerte Luft scharfe Kontraste
schafft, auf der anderen wieder die
Ursache für die oft nebelige Farbenge-
bung vieler englischer Maler geworden
ist, haben mit anderen Augen sehen gelernt
. Zudem besonders hat die englische
Porträtkunst immer etwas Konventionelles
an sich gehabt. Lavery hat zu
denen gehört, die unter den englischen
Malern diese Bahn zuerst verlassen haben
. Er hat seine Farben gesehen, er empfindet
seine Farbenkompositionen verschieden
von den anderen und er malt

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