Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 424
(PDF, 162 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0502
-s-£sö> ÜBER NATURSTUDIUM

JOHN LAVERY

J UGEND UND ALTER

täte falsch waren. Die Methode versagt plötzlich
bei einer Neuerscheinung, das System
stimmt nicht mehr — ich wurde hier hilfloser
als ein Kind. Und dabei war ich hierhergekommen
, um Wasser, bewegtes Meer malen
zu lernen. Technisch begabt, zweifelte ich
nicht an dem Erfolg — denn ich bezwang bisher
jedes Objekt - - und nun sitze ich hier schon
seit Wochen, male Wasser und es geht
nicht. Wäre ich ein asiatischer Despot —
ich ließe dieses der Darstellung trotzende Ungeheuer
„Meer" mit Geißeln peitschen — als
deutscher Maler darf ich mich nach meiner
täglichen Niederlage täglich an Wein berauschen
. Es ist elend, verteufelt elend".

Der zweite Maler: „Ich verstehe Ihren Gram
nicht ganz, trotzdem ich seine Intensität fühle.
Sprechen Sie deutlicher, vielleicht kann ich
Ihnen raten".

Der erste Maler: „Deutlicher sein, das will ich
gern — daß Sie mir indessen raten oder helfen
können, das bezweifle ich aus guten Gründen.
Wie ich Ihnen sagte, kam ich an diese Küste
in der Meinung, daß das ewige Meer ein
„Objekt", gleichsam ein Modell sei. — Ich
glaubte, man müsse es darstellen, wiedergeben

können, wie ein Fruchtstück, einen Baum,
ein Tier, wie einen Kopf, oder einen Akt.
Wasser, Meermalen, was mir in meinem
Haushalt und Bestand noch fehlte, mußte hinzugelernt
werden; dann, so wähnte ich, hätte
ich die Welt schildern können, und gerade
bei diesem letzten der Faktoren, da versagt
mein Können und meine Kunst; jede Welle,
die an diesen Klippen zerschellt, ist ein dröhnendes
Spottlied auf mein Tun! Sagen Sie mir,
bitte: können Sie einen Akt malen, der jede
Sekunde eine andere Pose einnimmt??"

Der zweite Maler; „Das kann ich natürlich
nicht, das ist unmöglich, aber Ihre Frage läßt
mich klarer sehen: Sie leiden unter der Beweglichkeit
Ihres Modells, der See, und sind außer
Stande, einen der ewig wechselnden Zustände
festzuhalten! Es fehlt Ihnen an Zeit, an Bewegungsschnelligkeit
!"

Der erste Maler: „Das ist's! Das ist's ja gerade
!! Man kommt der Modellerscheinung
nicht nach! Wandere ich mit meinem Malkasten
durch eine Heide, dann habe ich bei
Fleiß und Geschicklichkeit eine Viertelstunde
Zeit, um die Stimmung wenigstens skizzenhaft
festzuhalten. Es geht — : 15 Minuten

424


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0502