Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 428
(PDF, 162 MB)
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-=^ö> ÜBER NATURSTUDIUM <^-c-

sind lang, es sind 900 Sekunden; und wenn
der Wechsel in Licht und Landschaft auch
schnellgenug ist, man kommt immerhin flüchtig
nach. Hier an der See, da ist alles vergeblich
. Man hat ja nicht eine Sekunde, nicht
den 900sten Teil der sonst schon knapp bemessenen
Zeit das Auge kommt nicht ein-

damit rechnen — uns Malern fehlt einfach
die Fähigkeit, die sichtbaren Wellen darzustellen
!"

Der zweite Maler: „Sie haben recht, das Problem
bleibt unlösbar, solange Sie an „Modellstudium
" in unserem landläufigen, falschen,
wissenschaftlichen Sinne glauben. Als For-

JOHN LAVERY

DIE SCHWESTERN

mal nach, geschweige denn die Hand. Jede
Welle ist ja wesentlich anders als die Vorgängerin
, als die Nachfolgerin. Sie gleichen
sich, wie die uniformgekleideten Soldaten eines
Heeres — alle sind grundverschieden! Welch
plumper Unsinn ist es doch, hier, wie wohl
überhaupt, von Gleichartigkeit, gar von Gesetzmäßigkeit
zu sprechen!! Die einzige Regel
ist die Ungleichheit! Die Wissenschaft mag
von Wellenbewegungen, von Gesetzen reden,

scher werden Sie stets ein inneres Unglück
erleben, selbst wenn Sie 100 Jahre in diesen
Klippen hocken. Sie werden — verzeihen
Sie — am Schluß so dumm sein wie am ersten
Tag! Naturstudium in Ihrem Sinne habe ich
schon lange aufgegeben — gerade, weil ich
schon Vorjahren gleich Ihnen hier den Pinsel
schwang. Der mit Farbe beschmierte Fetzen
Leinwand wurde damals der beleidigten See
als Sühnopfer gespendet: mein Ergebnis war

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