Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 432
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-s^> UBER NATURSTUDIUM <^=^

ich ja auf einem Irrweg gegangen — ewig ge- wesentlichen Wechsel eben gar nicht genannt
trennt vom Ziel durch eine unüberschreitbare habe. Es ist der Wechsel in Ihnen, Verehr-
Kluftü" tester, der es macht, daß Sie einmal „Dur",

Der zweite Maler: „Wenn Sie statt Kluft: — das anderemal „Moll" gestimmt sind. Glauben
„Sumpf" sagen, ist das Bild noch besser. Ich Sie denn, Ihre eigenen Zustände, Ihre momen-
gestehe Ihnen offen, daß ich darunter den tane Körperverfassung, Ihr Befinden — alles
heute stärker als je ausgebreiteten Sumpf das wirke nicht auf die an sich schon wech-
des Naturalismus meine. Ich habe die ruch- selnden Bilder der Außenwelt ein, also, daß
lose Ansicht, daß der Naturalismus nicht Sie heute alles: Schön, stark, voll, freudig
einmal der Anfang, sondern einfach das Ende, sehen und empfinden und morgen sehen und
der Tod der Kunst ist. Solange Sie sich fühlen Sie nichts als die Gegensätze? Unser
nicht ä la Münchhausen am eigenen Schopf Endschluß ist eben, daß wir immer eine ewige
hinausbefördern — solange kommen Sie tat- Veränderung unserer inneren Sehbilder ersächlich
nicht weiter. Sie haben, denke ich, leben; wir sind gleichsam Kinematographen —
begriffen, was ich Ihnen an den sogenannten an deren Linse vorbei eine unendliche Kette,
„Objekten" : See, Baum, Kopf, Akt vor Augen ein Streifen von Eindrücken vorüberläuft. Nun
führte. Sie sahen: es ist Wahn, Irrtum, zu glau- sagen Sie mir bitte — welchen der unzählbaren
ben, daß Sie ein Objekt nachbilden, wenn Sie Momente im Dasein, welchen Zustand malen
mit der Palette davorstehen. Sie bilden stets Sie eigentlich, wenn Sie Ihr Handwerkszeug
nur das Bild nach, das Sie im Auge haben und „vor der Natur" gebrauchen??"
dieses Bild wechselt beständig. Uebrigens Der erste Maler: „Strenggenommen: Keinen!
merke ich hier erst, daß ich Ihnen einen höchst Es ist nur eine ungenaue Beobachtung zu

glauben: wir malen Objekte!
Wirmalen nichtihre Außenhaut
, sondern immer nur,
was wir von einem Ding
oder Zusammenhang innerlich
sehen und behalten! Darum
kommt man auch in
Malerkreisen und -Schulen
so schnell zu den verschiedenen
„Seh-Methoden", deren
Zweck eine Vereinfa-
chungdes Sehbildes ist. Man
nennt heute dieses Ergebnis
vielfach schon Stil —■ ich
frage wohl mit Recht, ob
wir hiermit schon eine erschöpfende
Definition von
„Stil", von Kunst haben.

Es könnte sein, daß das
Streben, die Dinge vereinfacht
zu sehen, erst eine
Vorbedingung ist. Daß es
auf eine Uebung des inneren
Gedächtnisses hinausläuft.

Das versucht man"---

„Und man erreicht wirklich
nur die Vorbedingung, das
vereinfachte Sehen und ein
dementsprechendes Malen",
fiel der zweite Maler lebhaft
ins Wort, „und bleibt
dabei stehen, ohne den nun
noch nötigen Endschritt zu
tun": Innere Bilder gleichsam
aus dem Gedächtnis zu
john lavery maurischer harem reproduzieren! Man nimmt

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