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VON AUSSTELLUNGEN
robert sterl
hoforchester in peterhof
Ausstellung der Berliner Secession
Flutzeit in das Elbbette hereindrängenden Meereswellen
vernommen, der gewinnt eine Darstellung des
Wirklichen an der Hand dieser Kallmorgenschen
Elb- und Hafenbilder, obenan des, von einem echt
böigen Wetterhimmel erfüllten Hauptbildes: »Nordweststurm
in der Elbe«. Das nervöse Spiel dieser
Wellen mit dem schweren Himmel darüber und dem
harten Licht dazwischen gibt eine vortreffliche Vorstellung
von der Verschiedenheit des durch die
nahe See bereits mitbestimmten Stromcharakters.
Verhält sich Kallmorgen in seinen Hafen und Elbbildern
mehr porträtistisch schildernd, so weiß er
in seinen, der festländischen Landschaft entnommenen
Ausschnitten — »Holländische Bootswerft«,
»Oktobertag«, »Junisonne«, »GoldenerHerbst« u.a.m.
— wieder Stimmungen von anheimelndem farbigem
Reiz auszulösen. Daß dieselbe Hand, die für die oft
wuchtende Schwere der nordischen Landschaft keine
beschönigende Nachsicht kennt, im Tier- und Figurenbilde
nach mehr aufgelockerten, durchwärmten Farben
greift, — am weitesten geht er hierin in den Tafeln
»Strickendes Kind« und »Holländische Fischerkinder
am Strande« — ist ein erfreulicher Beweis,
daß der Künstler nicht nach einem festliegenden
Schema arbeitet, sondern das Materielle dem jeweiligen
Erfordernisse anpaßt. h. e. \v.
l_J ANNOVER. Die 77. große Frühjahrsausstellung
A A des Kunstvereins für Hannover ist anfangs Mai
nach zehnwöchentlicher Dauer geschlossen. Die Veranstaltung
ist in künstlerischer Hinsicht befriedigend
verlaufen, nach der materiellen Seite ist sie leider
von derUngunst der Zeiten nicht ganz unberührt geblieben
. Das Verkaufsergebnis hat die Höhe früherer
besserer Jahre nicht erreicht. Es sind von Privaten
für 25 000 M. Kunstwerke erworben worden, darunter
plastische Arbeiten für etwa 8000 M.; für Verlosungsankäufe
sind etwa 47000 M. verausgabt. Neuerwerbungen
für die hiesigen Museen, Provinzial-Museum
und städtisches Kestnermuseum, sind nicht erfolgt.
Man will, wie verlautet, die Mittel zweier Jahre zusammenfassen
, um 1910 »große« Ankäufe zu bewerkstelligen
. Wahrscheinlich wird man dann im Sinne
der letzthin getätigten Erwerbungen wieder einige
Atelierhüter aufstöbern. pi.
TZ"ARLSRUHE. Kunstverein. Mit der Gesamtaus-
Stellung des künstlerischen Nachlasses von Philipp
Klein, dem bekannten, leider allzu früh verstorbenen
, meteorgleich aufleuchtenden Münchner
Koloristen, hat der Kunstverein in der jetzigen dürren
Zeit, da alle guten Dinge im Reiche der Kunst in
den großen Ausstellungen festgebannt sind, einen
sehr glücklichen Griff getan. Philipp Klein, bekanntlich
ein geborener Mannheimer, hat nur etwa zehn
Jahre seines allzukurzen Lebens der Malerei gewidmet,
in denen er, als vollkommener Autodidakt im besten
Sinn des Wortes, ohne je eine Akademie besucht zu
haben, farbenprächtige Meisterwerke schuf, die zu
dem Besten und Packendsten gehören, was die moderne
deutsche Kunst auf dem Gebiete des Kolo-
rismus geschaffen hat. Seine Force war die Lösung
schwieriger Farbenprobleme im vollsten Sonnenlicht,
die er mit einer sieghaften Leichtigkeit, die gar keine
Schwierigkeit zu kennen schien, überwand und die in
manchem hie und da an die vollendete Kunst dergröß-
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