Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 492-493
(PDF, 162 MB)
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letztere brachte er einefreie Fries-Komposition
in Vorschlag. Es hätte nicht überrascht, wenn
die zwischen Prof. Vogel und dem Hamburger
Senat geführten Verhandlungen mit der Zubilligung
zu der ersten Forderung geendigt
hätten. Denn hier handelte es sich schließlich
doch immer nur um eine Frage mehr materieller
Natur, während bei dem zweiten, geistigen
Punkte der Forderung es sich um eine Art
künstlerischen Staatsstreiches handelte, von
dem selbst Leute vom Fach im vornhinein nicht
wissen konnten, wie die Sache endigen werde.
Doch vielleicht war es gerade dieses Gewagte,
was die zu jeglicher Art Wagnis stets bereiten
Hanseaten reizte. Dem Künstler wurde zunächst
und ohne alle Einschränkung die freie
Selbstbestimmung der zu wählenden Motive
zugestanden, während die erbetenen Abänderungen
an der Saalarchitektur erst einer späteren
Zeit vorenthalten blieben.

Die Bewegtheit der vorausgegangenen
inneren Kämpfe nicht weniger wie das tief
Einschneidende der von dem nunmehr vollendeten
Werk geschaffenen gewaltigen Wirkung
spiegelt am beredtesten die Rede wider,
mit der Bürgermeister Dr. Burchard die
Eröffnung des nunmehr in allen Teilen vollendeten
Festsaales am 13. Juni im Beisein
des Senats, der Bürgerschaft und geladenen
Ehrengäste begleitete. Indem der Bürgermeister
von den „manchmal schier unüberwindlich
scheinenden und schließlich doch
überwundenen Bedenken und Behinderungen"
sprach, die sich dem Fortschreiten des Werkes
entgegenstellten, begrüßte er dieses, nun es
vollendet, als „ein neues Blatt in der Geschichte
der deutschen Monumentalmalerei".

Auf den Inhalt eingehend, fuhr er, diesen
mit fast farbiger Anschaulichkeit wiedergebend,
fort: „Durch alle Bilder zieht sich der Elb-

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Wandgemälde im Hamburger Rathaus

DAS CHRISTLICHE ZEITALTER

ström als das die fernste Vergangenheit mit
der lebendurchfluteten Gegenwart verbindende
Element, von der Urzeit her, wo der unge-
bändigte Strom in menschenleerer Oede dahin-
rauscht, zu den ersten Ansiedelungen der
niedersächsischen Urbewohner, und von ihnen
hinein in die Zeit, wo die Predigt des Christentums
eine reichere Kultur und neue verheißungsvolle
Lebensverhältnisse erschloß,
weiter in das Zeitalter der weitausschauenden
wehrhaften Hansa, und endlich bis in unsere
Tage, in welchen der gewaltige Strom die
Schiffe aller seefahrenden Nationen nach Hamburg
hinauf- und von hier in alle Weltteile
hinausträgt. Und über allen diesen Bildern
wölbt sich in gleicher Höhe ein weiter Horizont
, auch seinerseits die Bilder zu einer
glanzvollen Einheit zusammenschließend.
Keine Allegorie gibt dem Beschauer Rätsel
zu lösen, keine Verherrlichung einzelner

Persönlichkeiten beengt die künstlerische Gedankenwelt
, beeinträchtigt die Weiträumigkeit
der künstlerischen Konzeption. Ganz sachlich
ist das große Werk, groß empfunden
und tief erschaut." Des Künstlers heißes
Ringen um die Form kennzeichneten des besonderen
die folgenden Sätze: „Es kann kaum
überraschen, daß vom Künstler, je mehr er
sich in sein Werk vertiefte, je lebendiger
sich die Ideen ihm gestalteten, Ideen, die
nach Form und Farbe ihm eigentümlich waren,
um so sorgfältiger erwogen werden mußte,
ob seine Bilder sich dem Saale harmonisch
einfügen würden. Professor Vogel hat sich
redlich bemüht, dem Charakter des Saales
und der für seine Bilder vorgesehenen Umgebung
sich unterzuordnen, dabei jedoch im Laufe
der Jahre immer stärker empfunden, daß aller
seiner Bemühungen ungeachtet die Bilder,
wie sie seinem geistigen Auge vorschwebten

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