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DIE WANDMALEREIEN HUGO VOGELS IM HAMBURGER RATHAUS
HUGO VOGEL
STUDIE
und wie sie allmählich Gestalt gewannen, mit
der Architektur und der Farbengebung des
weiten Raumes sich kaum ganz würden in
Einklang bringen lassen." Nachdem der Redner
den „Erbauern dieses Hauses" dafür gedankt
, daß sie in die schließlich als berechtigt
anerkannten Forderungen des Künstlers gewilligt
, dem Ratsbaumeister Emil Meerwein
und den Herren Professoren DDr. Lichtwark
und Brinckmann, daß sie diese Forderungen
mit Rat und Tat unterstützt, richtete er mit
einer für Hamburger Temperaturverhältnisse
nicht hoch genug einzuschätzenden Herzlichkeit
„namens des Senats, der Bürgerschaft,
wie der ganzen Bevölkerung" eine ganz besondere
Danksagung an den Künstler selbst,
die „in verständiger Würdigung der glänzenden
künstlerischen Leistung" mit der Ueber-
reichung der nur äußerst selten verliehenen
großen hamburgischen Staatspreismedaille abschloß
.
Die dem Künstler zum Bemalen zu Gebote
gestandenen Flächenmaße waren 70 m
Länge und 6 m Höhe bei einer Saaldimension
von zirka 41 m Länge, 18 m Breite und 15 m
Höhe, also Raumverhältnisse von ganz ungewöhnlicher
, in der neueren deutschen Monumentalmalerei
kaum zuvor vorgekommenen
Art. Doch man begreift, daß gerade dieses Ungewöhnliche
dem Künstler und seinem Werke
leicht hätte zum Verhängnis werden können, zumal
er in den Vordergrund stellte, was in seinem
früheren Schaffen kaum eine nennenswerte
Rolle gespielt hatte: Das landschaftliche Stimmungsbild
. Doch auch hier war der Erfolg dem
kühnen Wagen hold. Gerade die von den
beiden landschaftlichen Haupttafeln — dem
ersten Bilde, das eine Ansicht gibt von dem
aus flachem Marschland und leicht gewelltem
Geestland zusammengesetzten Urboden Hamburgs
und dem Schlußbild, dem Hamburger
Hafen von heute — ausgehende, ist von ausschlaggebender
Bedeutung für die Gesamtwirkung
des in Kaseinfarben auf Kalkmuscheluntergrund
gemalten, in fünf Felder
geteilten Frieses. Dazu gesellt sich noch
eines: Das geradezu musikalisch berührende
Ineinandergreifen des von dem architektonischen
Rahmen, mit der herrlich kas-
settierten Saaldecke im Abschluß erzeugten
warmen Goldtons, dem sich der kühlsilberige
Unterton der Vogelschen Wand-
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