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-s^> DIE SECESSIONSGALERIE IN MÜNCHEN <^=^
übel: Platzmangel geltend. Um so erfreulicher
ist es daher, daß in diesem Jahre,
wo die unteren Ausstellungsräume der Se-
cession wegen der Teilnahme des Vereins an
der Internationalen Ausstellung im Glaspalast
frei sind, die Bestände der Galerie in den
ungleich schöneren unteren Sälen in guter
Aufhängung gezeigt werden können. Nun
präsentieren sich die Arbeiten viel wirkungsvoller
und wir vermögen erst die Bestände
in ihrem ganzen Umfang einzuschätzen. Auch
Namentlich die Arbeiten Albert von Kellers
sind bedeutungsvoll. Elf Gemälde und
Skizzen seiner Hand besitzt die Galerie. Davon
sind besonders die Entwürfe und Studien
zu Kellers Hauptwerk „Jairi Töchterlein"
interessant (Abb. S. 507), daneben wird man
sich an der rokokograziösen „Parkszene" (Abb.
S. 499) aus Kellers Frühzeit (1871) erfreuen
und an einem feinen weiblichen Kopf. Von
Uhde (Abb. S. 508) enthält die Galerie jetzt
zwei Werke, und ein drittes wurde in der
richard pietzsch
Secessionsgalerie, München
ostern 1905 im isartal
bot sich nun endlich die Gelegenheit, die
dekorativen Arbeiten in einem besonderen
Saal zu vereinigen: Die eine Seite nimmt
dort Becker-Gundahls riesige Malerei ein,
eine Anbetung der Himmelskönigin, ein grandioser
Wurf, triptychonartig und besonders
in den Seitenflügeln vorzüglich gelungen. Ebenso
fanden die entzückenden Kartons von
Ludwig Herterich, die er als Vorlagen für
seine dekorative Malerei am Plafond des Hauptrestaurants
im Münchner Ausstellungspark
schuf, dort Aufstellung (Abb. Jahrg. 1907/8
S. 506/7). Auch zu den sonstigen Werken
traten vorzügliche neue.
„Internationalen" dafür angekauft, ferner erhielt
sie auf dem Wege der Schenkung einen
sehr frühen, in Rembrandtisches Dunkel getauchten
Habermann, ein Bild aus der ersten
Schaffensperiode des Künstlers, in kräftiger
Malerei einen Frauenkopf mit rotem Barett
darstellend (Abb. S. 498). Von dem leider viel
zu wenig bekannten Eichfeld sieht man eine
große Landschaft „Märzsonne" (Abb. S. 509),
von Oskar Moll ein ausgezeichnet gemaltes
Winterstück, eine verschneite Gärtnerei, von
Paul Crodel sonnige Winterlandschaften aus
dem Gebirge (Abb. S. 504), Tooby, Holzel,
Damberger (Abb. S. 504) fanden mit charak-
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