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DIE X. INTERNAT. KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHNER GLASPALAST
immer noch nicht fein und bereit genug, der
Humus, aus dem sie emporsprießt, entbehrt
noch des Saftes; wir haben Künstler, gewiß,
aber wir haben noch nichtgenugKunstpublikum
besserer Qualität, und es fehlt noch die weit in
die Massen hinausgetragene Kunstkultur, die
das beste Teil der Renaissance gewesen ist.
Eine Ueberschau über die dreitausend Kunstwerke
kann nur ein sehr lückenhaftes Unternehmen
sein. Ich würde gerne jedem Bild
und jeder Skulptur ein Wort widmen, aber
auch das wäre verlorne Liebesmüh' und absolut
keine Kulturarbeit. Darum im folgenden
nur das Wichtigste. Bei der Genossenschaft
sind es in erster Linie die Landschafter,
mit denen uns lebendige Beziehungen verknüpfen
. Wer fände nicht Freude an einem
feinen Chiemseebildchen Wopfners mit dem
brillant gemalten Himmel darüber, wer vermöchte
nicht die vorzügliche malerische Arbeit,
die in den Landschaften der Wenglein, Poschinger
, Fink, Willroider, Canal, Gam-
pert, STRüTZEL(Abb. geg. S. 513) steckt, zu er-
ugend
messen? Hier ist eine feste, sichere Tradition:
sie geht in den meisten Fällen auf Adolf Lier,
den Vater der deutschenLandschaftsmalerei,zurück
, und der hat sie expreß aus dem Wald
von Fontainebleau bezogen, wo in der Zeit
von etwa 1830—1860 die Quelle einer neuen
malerischen Naturanschauung sprudelte. Solche
Konstatierungen macht man mit Vergnügen
in einer Ausstellung, die sich international
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